Die Insel Serifos

Nach den Starkwindtagen verlassen wir bei Tagesanbruch die Bucht von Finikas.

Auf Amwindkurs segeln wir zur Insel Serifos. Der Wind steigt auf 20 Knoten und bringt eine kurze, steile Welle schräg von vorne. Eine Welle trifft Jera seitlich in einem ungünstigen Winkel, sodass sich ein Wasserschwall über das Heck ergießt und die Markierungsboje aus der Halterung über Bord spült. Sie löst automatisch aus: Eine beeindruckende, zwei Meter hohe Stabboje bläst sich auf und verschwindet mit sechs Knoten im Kielwasser.

Nach kurzer Überlegung nutzen wir die Situation für eine MOB-Übung (Mann über Bord) unter anspruchsvollen und realistischen Bedingungen. Der Abstand zur Boje ist bereits groß, deshalb fahren wir eine Halse und gehen wieder auf Kurs zurück. Wir rollen das Vorsegel ein und starten den Motor. Das Großsegel lassen wir für die Übung gesetzt und fieren den Baum, um die Fahrt aus dem Schiff zu nehmen. Vorsichtig steuern wir die Boje von Luv an. Beim ersten Versuch sind wir noch etwas zu weit entfernt, doch beim zweiten Anlauf gelingt es uns, das große Teil wieder an Bord zu holen.Lessons learned: Bereits nach kurzer Zeit ist selbst eine zwei Meter große, orangefarbene Boje zwischen den Wellen und je nach Sonnenstand kaum noch zu erkennen. Als Zweiercrew wird man bei einem MOB-Manöver plötzlich zum Solosegler. Es dauert lange, bis man alleine die Segel geborgen, die Wende gefahren und die richtige Position zum Ansteuern erreicht hat. Diesen Ablauf kann man gar nicht oft genug trainieren, damit er zur Routine wird. Wir kennen nun Funktion und Verhalten der Markierungsboje aus eigener Erfahrung und sehen die aufblasbare Variante als gute Alternative zur eher unhandlichen, starren Stangenboje.

Um 13 Uhr erreichen wir die Bucht von Livadi auf Serifos und ankern vor dem Hafen mit Blick auf das spektakulär gelegene Bergdorf Chora. Zu diesem Zeitpunkt liegt ein Schiff an der Kaimauer, zwei weitere ankern bereits in der Bucht. Doch im Laufe des Nachmittags trifft ein Charterschiff nach dem anderen ein. Am Abend zählen wir 18 Schiffe im kleinen Hafen und ebenso viele vor Anker. Serifos ist ein beliebtes Ziel auf der Route durch die Kykladen.

Am nächsten Tag wandern wir hinauf nach Chora. Die Häuser stehen wie Schwalbennester in den steilen Felsen. Enge Gassen winden sich über unzählige Stufen durch den Ort, viele Häuser sind ausschließlich zu Fuß erreichbar. Trotzdem ist Chora ein lebendiges Dorf mit Schule, kleinen Lebensmittelgeschäften und Tavernen.

Am höchsten Punkt des Ortes steht die Kirche Agios Konstantinos mit einer beeindruckenden Aussicht über die Insel und das Meer.