Für heute ist schwacher Wind aus Süden gemeldet – genau aus der Richtung, in die wir segeln wollen. Deshalb planen wir, die Überfahrt nach Milos in zwei Etappen aufzuteilen: zunächst nach Sifnos zu kreuzen, dort zu ankern und am nächsten Tag bei günstigerem Wind weiter nach Milos zu segeln.
Von Serifos aus segeln wir entspannt bis an die Nordseite von Sifnos, bevor der Wind einschläft. Kurz darauf frischt er jedoch wieder mit angenehmen 15 Knoten auf – und kommt nun auch noch aus einer günstigen Richtung für einen direkten Kurs nach Milos. Wir ändern spontan unseren Plan und streichen den Zwischenstopp auf Sifnos. Hier in den Kykladen weht selbst an Schwachwindtagen meist noch eine kleine Brise.
Um 14 Uhr erreichen wir den Eingang zur Bucht von Adamas auf Milos. Da Südwind herrscht, werfen wir unseren Anker im südlichen Teil der Bucht vor dem Strand von Achivadolimni. Der lange Sandstrand ist menschenleer, und Jera ist das einzige Schiff weit und breit. Wir verbringen eine herrlich ruhige Nacht in wunderschöner Umgebung – begleitet nur von Kormoranen und Möwen.
Die Insel Milos gehört zum südägäischen Vulkanbogen. Die ringförmige Bucht, in der wir ankern, entstand aus mehreren Vulkankratern und bildet heute einen der größten Naturhäfen Europas.
Der neue Tag begrüßt uns mit bewölktem Himmel, die Temperaturen sind jedoch perfekt für eine Wanderung. Mit dem Dinghy fahren wir an den Strand und marschieren fünf Kilometer quer über die Insel bis zum großen Perlit-Bergwerk. Von dort geht es weiter zum Tsigrado Beach an der Südküste. Der kleine Strand liegt versteckt in einer Felsenbucht und ist nur über zwei Holzleitern erreichbar. Nach einem kurzen Regenschauer wandern wir durch das naturbelassene Hinterland zurück und erreichen in der Nähe des kleinen Flughafens wieder besiedeltes Gebiet. Von dort sind es noch etwa zwei Kilometer bis zu unserer Ankerbucht.
Am nächsten Tag wandern wir nach Adamantas, dem Hauptort der Insel. Die gesamte Strecke verläuft allerdings wenig erholsam entlang einer Hauptstraße – vorbei an einer stillgelegten Saline, einem Kraftwerk und den Aufbereitungsanlagen der Bergwerke. Nach 6,5 Kilometern erreichen wir Adamantas. Entlang der Uferpromenade reihen sich Restaurants, Cafés und Autovermietungen aneinander. Im lebhaften Ortszentrum herrscht reges Treiben – laut, geschäftig und hektisch. Den staubigen Rückweg zu Fuß ersparen wir uns und gönnen uns ein Taxi, das wir mit einem jungen spanischen Paar teilen.
Heute starten wir bereits um 9 Uhr mit dem Dinghy zum Strand und marschieren mit einem großen Seesack voller Schmutzwäsche zum zwei Kilometer entfernten Flughafen von Milos. Dort wartet bereits unser Mietauto auf uns. Wir haben einen kleinen Roadtrip über die Insel geplant und möchten einige interessante Orte besuchen. Wie so oft verbinden wir den Ausflug auch gleich mit einem Besuch in der Wäscherei und einem ausgiebigen Einkauf. Das Dorf Plaka ist unser erstes Ziel. Wir spazieren hinauf zum Kastell am höchsten Punkt der Ortschaft. Von der venezianischen Burgruine aus bietet sich ein wunderschöner Ausblick über die Insel.
Danach geht es weiter zu den Katakomben bei Klima – einer frühchristlichen Grabanlage in einem weitläufigen Höhlensystem. In der Nähe befinden sich außerdem ein römisches Amphitheater sowie der Fundort der berühmten Aphrodite von Milos. Die Marmorskulptur kann heute im Louvre in Paris besichtigt werden.
Nach so viel Kultur fahren wir weiter zu den bunten Bootshäusern im Fischerdorf Mandrakia und anschließend entlang der Nordküste zur weißen Küste von Sarakiniko. Die hellen Kalksandsteinformationen und das glasklare Wasser schaffen eine beeindruckende und einzigartige Landschaft. Nach einem Abstecher nach Pollonia im äußersten Nordosten der Insel wird es Zeit für den Rückweg. In Zephyria machen wir Pause und kehren in der netten Taverne Zikos ein.
Zurück in Adamantas stehen noch Wäschewaschen und Einkaufen auf dem Programm. Wir vereinbaren mit dem Autovermieter, dass wir das Auto bereits heute zurückgeben und er uns dafür direkt zum Strand bei unserem Ankerplatz bringt. Ein erlebnisreicher Tag voller schöner neuer Eindrücke geht zu Ende.
Oft werden Unwetter und Sturm angekündigt, und am Ende ist die Realität zum Glück weit weniger dramatisch. Manchmal jedoch treffen die Prognosen zu – oder werden sogar übertroffen. So auch heute Abend. Gemeldet sind 20 Knoten Wind mit Böen bis 34 Knoten. Wir stellen uns auf eine windige Nacht ein, rechnen aber mit nichts Außergewöhnlichem. Doch es kommt heftiger als erwartet: Der Wind pfeift mit 30 Knoten, die Böen erreichen sogar 40 Knoten. Obwohl der Wind ablandig weht und wir weniger als 300 Meter vom Ufer entfernt liegen, sind Wellen und Strömung beachtlich. Es ist laut, das Schiff ächzt unter der Belastung, die Wellen rauschen und schlagen gegen die Bordwand. An Schlaf ist nicht zu denken. Um Mitternacht sitzen wir mit Schwimmwesten im Cockpit, halten Ankerwache und kontrollieren regelmäßig die Positionen der anderen Schiffe. Immer wieder beginnen Boote zu driften. Gestern lagen wir noch mit nur zwei weiteren Schiffen am Ankerplatz, heute sind es bereits 25. Gegen 2 Uhr entspannt sich die Lage langsam. Der Wind lässt nach, und wir können endlich in die Koje gehen.Auch für Mittwoch sind ähnliche Bedingungen angekündigt, die Spitzenwerte sollen jedoch deutlich niedriger ausfallen als am Vortag. Trotzdem bläst der Wind um 20 Uhr wieder mit Böen über 30 Knoten. Erst gegen 23 Uhr ist der Spuk vorbei. Die Dünung kommt allerdings weiterhin von Norden in die Bucht und lässt die Schiffe die ganze Nacht tanzen.







