Die Kykladen

Am Sonntag ist um 05:30 Uhr Tagwache, um 6 Uhr gehen wir Anker auf. Wir sind froh, den schwelligen Ankerplatz verlassen zu können, und so fällt der Abschied von der wunderschönen Insel Psara ein wenig leichter.

Wir lieben es, bei Dämmerung zu starten und den Tagesanbruch in vollen Zügen zu genießen: die Ruhe, die besondere Stimmung, die Farben, das Licht und die Wärme der aufgehenden Sonne.In der Bucht ist noch wenig Wind, trotzdem setzen wir das Großsegel bereits im ersten Reff. So sind wir vorbereitet, sobald wir aus der Landabdeckung in den freien Wind kommen.

Hinter der Insel steigt der Wind auf 16 Knoten mit Böen bis 21 Knoten an, deshalb wechseln wir zusätzlich auf die kleinere Fock. Mit rund sechs Knoten Fahrt segeln wir auf raumschots Kurs Richtung Südwesten. Der Wind bleibt erstaunlich konstant und die Segelfläche ist perfekt abgestimmt – zehn Stunden lang segeln wir mit derselben Einstellung.

Auf halber Strecke zwischen Psara und Andros ragt der Felsen Kalogeroi aus dem Wasser. Auf Sonarkarten erkennt man gut den Vulkankegel, der vom Meeresgrund aus rund 500 Metern Tiefe bis an die Wasseroberfläche aufsteigt. Der 36 Meter hohe Felsen bildet dabei die Spitze.

Um 16 Uhr erreichen wir unser geplantes Ziel: die Bucht von Korthiou an der Ostseite der Insel Andros. Laut unseren Informationen sollte der Ankerplatz bei den herrschenden Windbedingungen gut geschützt sein. Doch schon bei der Ansteuerung laufen wir auf ordentlichen Wellen in die Bucht ein. Am Ankerplatz selbst wird schnell klar: Starker auflandiger Wind und hohe Wellen machen einen Stopp unmöglich. Wir drehen ab und verlassen die Bucht wieder.

Die nächste brauchbare Ankermöglichkeit liegt 15 Seemeilen entfernt. Zu unserer ohnehin schon elf Stunden langen Überfahrt kommen also weitere drei Stunden hinzu. Wir segeln zwischen Andros und Tinos hindurch und befinden uns nun eigentlich auf der Leeseite der Inseln. Doch der Wind fällt über die Hügel herab und bläst mit mehr als 20 Knoten direkt vom Land weg. Unser geplanter Ausweichankerplatz liegt nur fünf Seemeilen entfernt – genau an dieser Küste. Wir ahnen nichts Gutes. Doch bei der Anfahrt zur Ormos Isternion nimmt der Wind deutlich ab und die Bedingungen am Ankerplatz sind überraschend ruhig. Um 19:30 Uhr sitzt der Anker fest und endlich gibt es das wohlverdiente Anlegebier.