Nach mehr als zehn Tagen am Ankerplatz vor Keri wird es Zeit, weiterzuziehen. Wir verlassen die Insel Zakynthos und nehmen Kurs nach Osten. Die Bedingungen für die Überfahrt sind ideal.
Auf einem Amwindkurs segeln wir zur Küste des Peloponnes. Mit guter Höhe erreichen wir die weitläufige Bucht von Paralia und ankern vor dem langen Sandstrand von Glifa. Am Nachmittag frischt der Wind aus Nordwest auf und bringt etwas Seegang in die offene Bucht.
Zur Überwachung unserer Ankerposition nutzen wir eine spezielle GPS-App auf dem Mobiltelefon. Wir geben die genaue Position des Ankers sowie die ausgebrachte Kettenlänge ein. Daraus berechnet die App den Radius, innerhalb dessen sich das Schiff um den Anker bewegen kann. Verlässt das Boot diesen Schwojkreis, wird ein Alarm ausgelöst. Sind wir nicht an Bord, erhalten wir zusätzlich eine Benachrichtigung auf das Handy.
Während wir einen Spaziergang am Strand von Glifa unternehmen, meldet die App genau so einen Ankeralarm. Offenbar beginnt Jera zu schlieren. Wir eilen zurück an Bord und kontrollieren die Situation. Tatsächlich bewegt sich die Jera langsam über Grund. Die recht hohe Welle verursacht starke Hubbewegungen an der Ankerrolle am Bug. Dadurch hat sich der Anker nach und nach aus dem Sand gehebelt.
Wir fahren den Anker erneut ein und stecken zusätzlich mehr Kette. Danach liegen wir wieder absolut sicher. Gegen Abend dreht der Wind auf Nord. Die Wellen werden kleiner, doch der Schwell bleibt die ganze Nacht über spürbar.
Um 8 Uhr gehen wir Anker auf und setzen unsere Reise in Richtung Mesolonghi fort. Das heutige Tagesziel ist ein Ankerplatz bei der kleinen Insel Oxia am nördlichen Eingang zum Golf von Patras. Den Großteil der rund 35 Seemeilen können wir unter Segeln zurücklegen. Acht Meilen vor dem Ziel geht uns dann noch ein schöner Bullet Tuna an die Angel. Kurz nach 16 Uhr fällt unser Anker in der Ormos Oxia.
Fast zeitgleich treffen auch Markus und Yvonne mit ihrer Tara ein. Etwas später läuft ein belgisches Schiff in die Bucht ein, es sind Robbert und Siglinde mit ihrer Pharos. Beide Crew`s kennen wir aus unserem Winterlager in Sizilien. Gemeinsam verbringen wir einen geselligen Abend an Bord der Jera und tauschen Geschichten und Pläne für die kommende Saison aus.
Bereits um 7 Uhr morgens lichten wir den Anker und verlassen die Ormos Oxia. Unser Ziel für heute ist Mesolonghi. Im Lee der Insel Oxia segeln wir bei schwachem Wind mit gerade einmal drei Knoten Fahrt nach Osten in den Golf von Patras. Erst auf Höhe der Einfahrt nach Mesolonghi bergen wir die Segel.
Die Ansteuerung führt durch einen schmalen, rund 2,5 Seemeilen langen Kanal in das Mündungsgebiet der Flüsse Acheloos und Evinos. Über Jahrhunderte entstand hier durch natürliche Anschwemmungen eine weitläufige Lagunenlandschaft. Die Zufahrt ist reizvoll und landschaftlich besonders. Schiffe mit größerem Tiefgang müssen jedoch exakt in der schmalen Fahrrinne bleiben, denn links und rechts davon wird das Wasser schnell sehr flach. Die traditionellen Pfahlbauten zeugen noch von der Zeit, als die Fischerei einer der wichtigsten Wirtschaftszweige der Region war. Die ehemaligen Fischerhütten dienen heute meist als Wochenendhäuser. Ihre kleinen Stege reichen teilweise bis dicht an das Fahrwasser heran.
Nach etwa einer halben Stunde erreichen wir die große Hafenbucht von Mesolonghi. Es ist Mittag, die Sonne brennt vom Himmel und die Hitze steht über dem Wasser, als wir den Anker werfen. In der Marina von Mesolonghi sind inzwischen einige unserer Bestellungen angekommen. Am Nachmittag holen wir die Pakete mit dem Dinghy ab.
Heute geht es früh aus der Koje, denn es steht einiges auf dem Programm. Zunächst bringen wir unsere Wäsche in die Stadt, anschließend beginnen die Arbeiten am Schiff. Ein neuer Boiler soll eingebaut und der Auspuffschlauch ersetzt werden.
Wie so oft bei größeren Arbeiten an Bord muss zunächst aus- und umgeräumt werden. Sowohl die Borddurchführung des Auspuffs als auch der Boiler befinden sich unter der Backskiste. Das andere Ende des schweren und steifen Gummischlauchs ist in der hintersten Ecke des Motorraums. Ich zwänge mich so weit wie möglich zwischen Motor und Generator und löse die ersten Schlauchschellen sowie einige Halterungen. Als ich mich anschließend aus dieser unbequemen Position befreie, schießt mir plötzlich ein stechender Schmerz in den Rücken. Gekrümmt bleibe ich liegen. Jede noch so kleine Bewegung verursacht höllische Schmerzen. Auf allen Vieren krieche ich in die Heckkoje und versuche, eine halbwegs erträgliche Position zu finden. Mir wird übel.
Vermutlich ein eingeklemmter Nerv oder ein Problem mit den Bandscheiben. Und ausgerechnet jetzt – zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Wir liegen vor Anker, der Auspuffschlauch ist bereits gelöst und der Motor damit nicht mehr betriebsbereit. Verdammt …
Nachdem der erste Schock verdaut ist, überlegen wir gemeinsam, wie es weitergehen kann. Mel erklärt sich bereit, den Auspuff wieder zu montieren. Schritt für Schritt besprechen wir den Ablauf – ich aus dem Bett heraus, Mel im Motorraum. Und tatsächlich: Sie schafft es. Großartig!
Inzwischen sind wir seit zwei Wochen in Mesolonghi. Morgen soll es endlich weitergehen. Über einen Freund haben wir den Kontakt zu Sotiris bekommen, einem erfahrenen Mechaniker. Er hat sowohl den Boiler als auch den Abgasschlauch ersetzt. Damit sind die notwendigen Arbeiten abgeschlossen.
Auch meine Rückenschmerzen werden langsam besser. Ich kann wieder einigermaßen normal laufen, und das tägliche Schwimmen im angenehm warmen Wasser tut ebenfalls gut.
Nun blicken wir voller Vorfreude auf die nächste Etappe unserer Reise: den Golf von Patras, den Golf von Korinth und schließlich den berühmten Korinthkanal.
Mesolonghi hat uns ausgesprochen gut gefallen und ist uns in den vergangenen Wochen ans Herz gewachsen. Die Lagunen mit ihren Flamingos und zahlreichen Seevögeln, die sanften Hügel im Hinterland und die entspannte Atmosphäre verleihen diesem Ort einen ganz besonderen Charakter.
Hier ist immer etwas los, ohne dass es hektisch wirkt. Die Region ist vor allem bei Griechen beliebt, während sich nur wenige Segler im Sommer hierher verirren. Gerade das macht den Reiz aus: Wer hierherkommt, erlebt Griechenland von seiner authentischen Seite – weit entfernt von den großen Hotelanlagen und touristischen Zentren.







