Noch vor Sonnenaufgang gehen wir Anker auf. In der Morgendämmerung verlassen wir die fjordartige Bucht von Argostoli und setzen Kurs auf Zakynthos. Von Norden kommend steuern wir die Westküste der Insel an. Hier befindet sich eines der bekanntesten Fotomotive Griechenlands: die Shipwreck Bay.
Im Jahr 1980 transportierte ein Frachter Schmuggelware für die italienische Mafia, wurde jedoch von der Küstenwache entdeckt und verfolgt. Aufgrund von Motorproblemen und widrigen Wetterbedingungen lief das Schiff in dieser Bucht auf Grund. Seitdem rostet das Wrack am Strand vor sich hin und zieht Jahr für Jahr unzählige Besucher an.
Wir erreichen die Bucht genau in dem Moment, als die Sonne über die Steilküste steigt und die Szenerie in ein nahezu perfektes Licht taucht. Der weiße Strand, die goldgelben Felsen, das kristallklare Wasser und das rostrote Wrack bilden einen beeindruckenden Kontrast. Außer zwei Motoryachten liegt niemand vor Anker. So können wir uns dem Strand bis auf kurze Distanz nähern und die besondere Stimmung in aller Ruhe auf uns wirken lassen. Erst als wir die Bucht wieder verlassen, erscheinen von allen Seiten die ersten Ausflugsboote.
Anschließend segeln wir entlang der spektakulären Steilküste im Westen und umrunden die Insel im Süden. Am Kap geht uns ein stattlicher Little Tunny an die Angel und 1,5 Kilogramm feinstes Filet wandern in unseren Kühlschrank.
Auf der Westseite der großen Südbucht, unweit des kleinen Hafens von Keri, fällt schließlich unser Anker.
Seit einer Woche liegen wir nun in der weitläufigen Bucht im Süden von Zakynthos. Die Wetterlage zeigt sich stabil und freundlich. Seit Tagen weht ein leichter Nordwind, lediglich die thermischen Winde drehen zeitweise auf West oder Süd. Unser Ankerplatz bietet genau vor diesen Richtungen guten Schutz.
Nach den vielen Eindrücken und zurückgelegten Seemeilen im Ionischen Meer tut es gut, für längere Zeit an einem Ort zu bleiben. Keri ist ein sympathischer kleiner Ort abseits der großen Touristenzentren. Gelegentlich legt eine Fähre an und bringt Tagesgäste für einen kurzen Besuch. Danach kehrt schnell wieder Ruhe ein. Im Ort selbst gibt es nur wenige Unterkünfte für Urlauber, die mehrere Tage bleiben.
Lediglich mit den Motorbooten der Tagesausflügler muss man sich arrangieren. Vormittags schwärmen sie aus, am Nachmittag kehren sie zurück. Kein Wunder, denn die beeindruckende Westküste von Zakynthos liegt nur wenige Seemeilen entfernt. Die Bootsverleiher werben damit, dass für ihre 39-PS-Boote kein Führerschein erforderlich ist. Entsprechend begegnet man auf dem Wasser mitunter echten Anfängern. Wer darüber hinwegsehen kann, findet in Keri beste Voraussetzungen für einen entspannten Aufenthalt.
Mit dem Dinghy fahren wir zur kleinen Insel Marathonisi und erkunden ihre Höhlen und Buchten. Die Insel liegt in der Meeresschutzzone B zum Schutz der bedrohten Caretta-Caretta-Schildkröten. Entsprechend gelten strenge Vorschriften, darunter Anker- und Angelverbote.
Als wir den Strand im nördlichen Bereich der Insel erreichen, sind wir sprachlos. Im Sand sind die Spuren der Schildkröten, die zur Eiablage an Land gekommen sind. Gleichzeitig herrscht reges Treiben. Dutzende Motorboote liegen vor Anker, und schwimmende Verkaufsstände versorgen die Besucher mit Getränken und Snacks. Wir fragen wir uns, ob diese Form des Tourismus in einem sensiblen Naturschutzgebiet wirklich notwendig ist.
Another Day in Paradise! Gut, „Paradies“ ist vielleicht etwas hoch gegriffen. Dennoch haben wir Keri inzwischen fest ins Herz geschlossen. Der Ort bietet gute Einkaufsmöglichkeiten, gutes und preiswertes Streetfood sowie gemütliche Cafés. Die vergangenen Tage standen ganz im Zeichen der Erholung. Zeit, neue Energie für die kommenden Etappen zu sammeln.
Ganz ohne Bordalltag geht es allerdings nicht. Seit einiger Zeit kommt rostfarbenes Wasser aus unserem Süßwassersystem. Unser Hauptverdächtiger ist der inzwischen 30 Jahre alte Warmwasserboiler. Außerdem haben wir ein kleines Leck im Auspuffschlauch entdeckt.
Ein neuer Boiler ist bereits bestellt und wird zur Marina Mesolongi geliefert. Dort wollen wir beide Baustellen angehen.









