Die Prognosen schauen gut aus – ein ideales Wetterfenster für unseren nächsten Streckenabschnitt öffnet sich.
Am Dienstag den 22.10.2024 um 9 Uhr werfen wir die Leinen los und legen Kurs nach Süden an. Die Zeit auf den Liparischen Inseln geht zu Ende. Heute segeln wir bis an die Nordküste Siziliens und nähern uns der Straße von Messina.
Bei gemütlichen 11 Knoten Wind und 5 Knoten Fahrt liegt die Insel Lipari schon bald weit hinter uns. Vor der Küste Siziliens nimmt der Wind zwischenzeitlich auf 26 Knoten zu und sorgt für ordentlich Speed.
Vor dem Strand von Calamona fällt unser Anker. Von hier sind es noch etwa 8 Seemeilen bis zum nördlichen Eingang der Straße von Messina.
Auch unser Segelfreund Markus mit seiner „Aurelia“ geht hier vor Anker. Er wird morgen gemeinsam mit uns die Straße von Messina passieren.
Nach einer ruhigen Ankernacht vor der schönen Landschaft von Calamona bereiten wir uns auf die Durchfahrt der Meerenge vor.
In der Straße von Messina herrschen starke, gezeitenabhängige Strömungen, die alle sechs Stunden ihre Richtung wechseln. Sie können bis zu 6 Knoten erreichen und dabei ordentliche Wirbel und Strudel erzeugen. Trifft die Strömung zusätzlich auf starken Wind aus Norden oder Süden, kann sich eine gefährliche Kreuzsee entwickeln.
Heute sind die Bedingungen glücklicherweise ruhig, sodass nur die Strömung für Spannung sorgt. Laut unseren Unterlagen soll sie gegen 13 Uhr nach Süden drehen.
Kurz nach Mittag gehen wir Anker auf und fahren entlang der Küste ostwärts. Um 13:30 Uhr erreichen wir den Eingang zur Straße von Messina und steuern in die Meerenge.
Allerdings haben wir offenbar bei der Gezeitenlektüre etwas übersehen: Statt der erwarteten Strömung mit uns haben wir zwei Knoten Gegenströmung. Entsprechend gemächlich geht es durch die Engstelle, vorbei an Torre Faro in Richtung Messina. Ab hier nimmt die Gegenströmung zwar wieder ab, bleibt aber weiterhin nordwärts gerichtet.
Unser heuriger Winterhafen ist die Marina de Ragusa im Süden Siziliens. Nach der langen Segelsaison sind wir inzwischen etwas müde und möchten unsere „Jera“ möglichst bald sicher im Hafen festmachen.
Über den Winter haben wir noch genügend Zeit, die schönen Orte Siziliens mit dem Auto zu erkunden.
Deshalb fällt es uns leicht, die interessante Ostküste mit ihren vielen sehenswerten Orten zügig hinter uns zu lassen und weiter Strecke nach Süden zu machen. Die ausführliche Landbesichtigung wird einfach auf später verschoben.
Um 22 Uhr und nach insgesamt 40 Seemeilen erreichen wir Naxos und ankern zwischen dem Strand und der großen Hafenmole. Hundemüde fallen wir in die Koje.
Nach einer kurzen Nacht geht es schon früh weiter. Das Wetter ist ideal für die Weiterfahrt nach Süden.
Wir segeln am Fuße des 3.400 Meter hohen Ätna entlang. Der mächtige Vulkan versteckt sich jedoch meist hinter einer tiefen, dichten Wolkenschicht. Nur hin und wieder geben die Wolken einen kurzen Blick auf den sonnenbeschienenen Gipfel frei.
Es geht vorbei an der Küstenstadt Catania und am großen Industriehafen von Augusta. Um 17 Uhr liegen bereits 50 Seemeilen hinter uns und wir werfen unseren Anker in der gut geschützten Bucht von Syrakus. Hier liegen wir mit Blick auf die wunderschöne Altstadt.
Mit dem Dinghy können wir direkt in der Stadt an einer Treppe anlegen. Wir spazieren durch die Altstadt und bewundern die historischen Bauwerke. Besonders beeindruckend sind die Kathedrale von Syrakus, die in einen griechischen Athenatempel integriert wurde, und das Castello Maniace, eine staufische Festung.
Es ist Samstag der 26.10.2024. Heute starten wir zur letzten Etappe der Segelsaison 2024. Noch 60 Seemeilen trennen uns von unserem Winterhafen in Marina de Ragusa.
Früh verlassen wir die Ankerbucht von Syrakus und segeln bei schönem Ostwind Kurs nach Süden.
Nach der Umrundung des Südostkaps von Sizilien, des Capo Passero, baumen wir die Genua auf eine Seite aus und stellen das Großsegel auf die andere. So segeln wir auf Vorwindkurs „Schmetterling“ in Richtung Ragusa.
Auch das Anglerglück ist uns hold: Wir fangen fünf kleine Bonitos.
Vor der Hafeneinfahrt bergen wir zum letzten Mal für heuer die Segel und fahren unter Motor in die Marina. Wenig später liegt unsere „Jera“ sicher vertäut am Schwimmsteg.
Eine schöne und erlebnisreiche Segelsaison geht zu Ende, und ruhige Wintermonate liegen nun vor uns. Auch diese Zeit ohne tägliche Wetterchecks, Routenplanung und Ankerplatzsuche genießen wir sehr. Wobei wir vermutlich schon nach wenigen Wochen wieder sehnsüchtig auf die Wetter-App schauen werden …
