Addio bella Italia

Am Nachmittag weht noch kräftiger Nordwind, doch gegen Abend soll er deutlich nachlassen. Damit öffnet sich ein vielversprechendes Wetterfenster für die Überfahrt nach Griechenland.

Um 17 Uhr lösen wir die Leinen und bereiten uns auf anspruchsvollere Bedingungen vor. Das Groß setzen wir vorsorglich im zweiten Reff, dazu die Fock. Kaum verlassen wir den Schutz der Küste, empfangen uns Böen von über 20 Knoten und eine etwa eineinhalb Meter hohe Welle von der Seite.

Doch die Bedingungen beruhigen sich schneller als erwartet. Schon bald können wir das Groß ausreffen und die große Genua setzen. Mit rund sechs Knoten Fahrt segeln wir auf Amwindkurs in Richtung Korfu.

Unser Ziel ist die Nordspitze der Insel. Anfangs kommt der Wind jedoch direkt aus Norden, sodass unsere Kurslinie zu weit nach Süden weist. Erst später, auf der Rückseite des Starkwindfeldes, dreht der Wind auf Nordwest und ermöglicht uns einen deutlich günstigeren Kurs.

In der Nacht lässt der Wind schließlich immer weiter nach. Gegen drei Uhr morgens müssen wir den Motor starten.

Als wir die Insel Othonoi passieren, ist es noch stockdunkel. Erst auf Höhe von Erikousa kündigt ein heller Streifen am Horizont den neuen Tag an. Langsam tauchen die Umrisse der griechischen Inselwelt aus der Dunkelheit auf.

Nach der Umrundung der Nordspitze von Korfu nehmen wir Kurs nach Süden und folgen der Ostküste der Insel. Gegen Mittag erreichen wir die Bucht von Kommeno und lassen den Anker fallen. Hier liegen wir gut geschützt für den Nordwind, der laut Vorhersage später wieder einsetzen soll.

Nachdem alles aufgeräumt und das Schiff sicher vor Anker liegt, gönnen wir uns die wohlverdienten Anlegerbiere. Wenig später fallen wir hundemüde in die Koje.

Wir sind in Griechenland.

Nach Monaten der Vorbereitung, langen Seemeilen und vielen schönen Stationen fühlt sich dieser Moment besonders an. Ein neues Revier liegt vor uns, voller Inseln, Buchten und Geschichten, die darauf warten, entdeckt zu werden.