Nach zwei angenehmen Tagen in Astakos zieht es uns weiter. Frühmorgens gehen wir Anker auf und segeln bei frischem Wind aus der Bucht. Bei nördlichen Winden nähern wir uns zunächst auf Halbwindkurs der Insel Atokos. Ab dort dreht der Wind nach Westen und beschert uns einen perfekten Kurs bis zum Eingang der Bucht von Vathy auf Ithaka.
Die Bucht schneidet tief in die Insel ein und beschreibt dabei einen 90-Grad-Bogen. Sie bietet reichlich Platz zum Ankern und guten Schutz bei nahezu allen Windrichtungen. Lediglich die thermischen Winde können am Nachmittag zeitweise kräftig auffrischen.
Um die Insel zu erkunden, leihen wir uns einen Roller. Unser erstes Ziel ist das Kloster Kathara nördlich von Vathy. Nach einem kurzen Rundgang fahren wir weiter auf den Niritos, mit 809 Metern die höchste Erhebung Ithakas. Der Blick von dort oben über Ithaka, das Ionische Meer und die benachbarte Insel Kefalonia ist beeindruckend.
Unsere Fahrt führt uns anschließend auf schmalen Bergstraßen durch ursprüngliche Dörfer. In Anogi besichtigen wir eine alte Kirche mit faszinierenden Wandmalereien, die von der langen Geschichte der Insel erzählen. Vor der Kirche kommen wir mit Giovanni ins Gespräch. Er ist allein mit seinem Motorrad auf einer Rundreise durch Westgriechenland unterwegs und möchte anschließend über den Balkan zurück nach Italien fahren. Sein nächstes großes Ziel ist das Nordkap – ebenfalls mit dem Motorrad. Dass Giovanni bereits 70 Jahre alt ist, hätten wir niemals vermutet. Er zeigt sich begeistert von unserem Leben an Bord und unserer Reise vom Norden Europas bis ins Mittelmeer. Aus der zufälligen Begegnung entsteht eine nette Bekanntschaft, und wir stehen bis heute in Kontakt.
Weiter geht es Richtung Norden nach Stavros. Dort besuchen wir das kleine Meeresmuseum, das liebevoll gestaltet ist und interessante Einblicke in die Geschichte der Region bietet. Anschließend fahren wir zur Ausgrabungsstätte, an der der Palast des sagenumwobenen Odysseus vermutet wird.
Nach so viel Kultur meldet sich der Hunger. Bevor wir über die Küstenstraße nach Vathy zurückkehren, gönnen wir uns ein ausgedehntes griechisches Mittagessen. Am Abend sind wir müde und froh, den Roller wieder abgeben zu können.
Am nächsten Tag unternehmen wir eine Wanderung von unserer Ankerbucht bei Vathy zum Strand in der Ormos Skhoinos. Von dort führt ein Pfad nach Westen zum bekannten Gidaki Beach. Weißer Kies, türkisfarbenes Wasser und die abgeschiedene Lage machen den Strand zu einem der schönsten Orte der Insel. Für den Rückweg entscheiden wir uns für eine Route über die Hügel im Hinterland – eine Entscheidung, die wir schon bald bereuen.
Nach einigen Kilometern und mehreren Kletterpassagen verliert sich der Weg zunehmend im dichten Gestrüpp. Die Sonne brennt erbarmungslos vom Himmel, und unser letzter Wasservorrat ist schnell aufgebraucht. Fast eine Stunde kämpfen wir uns durch Dornenbüsche und dichtes Unterholz, bis wir endlich wieder auf einen erkennbaren Pfad stoßen. Es geht steil bergauf. Schweißgebadet erreichen wir den Kamm eines Hügels, von wo aus der Pfad schließlich zu einem Weg wird. Dieser führt durch alte Olivenhaine hinunter Richtung Vathy.
Überhitzt, dehydriert und mit von Dornen zerkratzten Beinen steuern wir als Erstes einen kleinen Laden an, um Wasser zu kaufen. Bei der Planung dieses Rückwegs haben wir uns gewaltig verschätzt.
Zurück an Bord sorgt ein Sprung ins Meer für die dringend benötigte Abkühlung. Wenig später können wir bereits wieder über unseren Fehler lachen.
Am Abend sind auch Gerd und Nanni in der Bucht von Vathy eingetroffen. Gemeinsam lassen wir den Tag bei einem guten Essen ausklingen und tauschen die Erlebnisse der vergangenen Tage aus.







