Die Insel Samos

Nach einer Ankernacht in der Bucht von Emporio auf der Insel Kalymnos möchten wir die guten Bedingungen nutzen, um so viel Strecke wie möglich nach Norden zu machen. Heute ist der letzte Tag einer Südwind Phase, ab morgen soll der Wind dann für eine längere Zeit nach Norden drehen. Unsere schöne Kykladenrunde geht zu Ende, das nächste Ziel die Insel Samos. Hier haben wir für Juli einen Platz im Trockendock reserviert, nach fast 3 Jahren im Wasser stehen einige Arbeiten an. 

Um 8 Uhr morgens gehen wir Anker auf und fahren unter Motor aus dem Schutz der Bucht. Mit etwas Abstand zur Küste von Kalymnos erreichen wir die Südwindzone und setzen die Segel. Mit ausgebaumter Genua an Steuerbord und Großsegel an Backbord geht es auf Vorwindkurs Richtung Norden. Mit dieser Schmetterlingsbesegelung läuft Jera ruhig und stabil. Bei 18 Knoten Wind und der Welle genau von hinten erreichen wir eine Geschwindigkeit von 6 bis 7 Knoten durchs Wasser. Mit dem Schub von größeren Wellen zeigt die Logge zwischendurch sogar 7,4 Knoten. 

Es geht vorbei an Leros, dann lassen die Inseln Lipsi und Arki an Steuerbord liegen. Die Bedingungen sind zu perfekt, um die Fahrt zu unterbrechen. Wir beschließen bis Samos durchzusegeln. Die Inseln auf der Strecke wollen wir dann nach unserem Trockendock Aufenthalt erkunden. 

Fünf Seemeilen nach Arki lösen wir das Schmetterlingsegel auf und ändern die Segelstellung für einen raumen Kurs. Unser Ziel ist die Bucht von Posidonio im Südosten von Samos. Dieser Ankerplatz liegt in der rund 1,5 Kilometer schmalen Mycale Strait zwischen Griechenland und der Türkei. Diese Bucht an der Südküste von Samos ist im Moment nicht ideal, da dem herrschenden Südwind ausgesetzt. Die nahe türkische Küste sollte jedoch etwas Schutz bieten. Und in der Nacht wird der Wind nach Norden drehen, dann ist die Bucht ideal für die nächste Zeit. 

Um 19 Uhr nach 54 Seemeilen und elf Stunden unter Segel fällt unser Anker in der Bucht von Posidonia auf perfekt haltendem Sandgrund. Wir sind happy, die gesamte Strecke von Kalymnos bis Samos an einem Tag geschafft zu haben.  

Nach einigen Tagen in der Bucht von Posidonia kennen wir die Windverhältnisse und den Schutz. Hier können wir Jera alleine vor Anker lassen und die nächsten zwei Tage mit einem Mietauto die Insel erkunden. Unkompliziert griechisch wird das Auto ohne Aufpreis direkt in die Bucht geliefert.  

Der erste Weg führt uns zur Roussakis-Werft, wo wir unseren Trockendock Platz reserviert haben. Wir möchten uns einen Eindruck von unserem Wohn- und Arbeitsplatz für die kommenden Wochen verschaffen. Ioanna, die freundliche Dame im Büro, informiert uns über die örtlichen Gegebenheiten und wir sie über die geplanten Arbeiten. Die Werft ist einfach und rustikal: Es gibt eine Toilette und eine Dusche. Insgesamt macht alles einen guten Eindruck. 

Im zwei Kilometer entfernten Inselhauptort Samos frühstücken wir und verschaffen uns einen Überblick über die Einkaufsmöglichkeiten. Es gibt Lebensmittelgeschäfte, Baumärkte und mehrere Geschäfte für Schiffszubehör. Vieles davon ist von der Werft aus zu Fuß erreichbar – eine gute Voraussetzung für die kommenden Arbeiten an Jera. 

Von der Stadt Samos fahren wir ohne konkretes Ziel an der Nordküste nach Westen. Es geht durch den sehr touristisch geprägten Ort Kokkari und kommen vorbei an weniger besuchten Küstenabschnitten und schönen Badebuchten. 

Wir erreichen Potami, wo zahlreiche Strandbars und Tavernen das Ortsbild prägen. Am Ende des Ortes führt ein Wanderweg entlang eines Baches in eine kühle, schattige Schlucht bis zu den Potami Waterfalls. Eine wunderbare Landschaft, allerdings sind wir mit Flip-Flops unterwegs. Deshalb beschließen wir, morgen besser ausgerüstet wiederzukommen. 

Die Rückfahrt führt uns durch das Gebirge im Inselinneren. In der netten Taverne To Kapileio machen wir Halt und stärken uns mit leckeren griechischen Gerichten. Anschließend fahren wir an der Südküste entlang Richtung Pythagorio und zurück zu unserer Ankerbucht von Posidonio. 

Am zweiten Tag fahren wir nach dem Frühstück wieder zu den Potami Waterfalls. Diesmal mit gutem Schuhwerk und Badesachen. Der erste Abschnitt des Weges führt am Bach entlang und über Holzbrücken immer weiter in die Schlucht. Ein Stück vor dem ersten Wasserfall müssen wir in das erste Wasserbecken steigen. Zwischen den engen Felswänden geht es halb schwimmend, halb watend weiter, bis wir die erste Stufe des Wasserfalls erreichen. Der zwei Meter hohe Absatz ist für uns jedoch nicht zu überwinden. Deshalb schwimmen wir wieder zurück. 

Von hier führt eine abenteuerlich zusammengenagelte Holztreppe aus Schwemmholz fast senkrecht aus der Schlucht nach oben. Nach 150 Stufen erreichen wir ein Felsplateau mit einer kleinen Hütte. Dahinter führt der Weg über eine weitere Holztreppe wieder hinunter zum zweiten Wasserfall. 

Das Wasser ist klar und sauber, wir sehen Krebse, Fische und Frösche. Wunderschöne blauflügelige Prachtlibellen begleiten uns. Zwischen den Felsen, im kalten Wasser und in der dichten Vegetation fühlen wir uns in einer anderen Welt. 

Wir wandern, klettern und schwimmen weiter in die Schlucht hinein. Die Temperatur ist angenehm kühl, das Wasser richtig kalt. Der Canyon scheint kein Ende zu nehmen. Nach etwa einer Stunde beschließen wir umzukehren. 

Wir klettern wieder hinauf zur urigen Hütte auf dem Felsplateau, dem Archontissa Restaurant. Dort gibt es köstliche Pfannengerichte, die im Holzofen zubereitet werden. Nach einer Stärkung im gemütlichen Lokal wandern wir über den Zufahrtsweg zurück nach Potami. In der Mittagshitze ist die angenehme Kühle der Schlucht schnell vergessen. 

Auf der Rückfahrt von Potami besuchen wir noch das schön gelegene Bergdorf Vourliotes, bevor wir das Auto zurückgeben.