Um 6 Uhr ziehen dichte Wolken auf und Regen trommelt aufs Deck. Wasser rinnt über das Glas der Luke, die Decksabläufe gurgeln, und Windböen lassen Jera an der Ankerkette zerren.
Heute möchten wir die rund 30 Seemeilen zur Insel Schinoussa segeln. Ab Mittag soll der Regen nachlassen, doch noch wirkt draußen alles grau und ungemütlich. Deshalb bleiben wir erst einmal in der warmen, gemütlichen Koje.
Für die kommenden Tage ist starker Nordwind vorhergesagt, der uns auf Paros festhalten würde. Nach unserer Zeit auf der reizvollen und lebhaften Insel möchten wir jedoch weiterziehen. Zwar zeigt sich das Wetter heute regnerisch, die Windprognosen für die Weiterfahrt sind aber günstig.
Gegen 10 Uhr wird der Regen schwächer, die dunklen Wolken lockern etwas auf und es wird heller. Wir machen Jera klar zur Abfahrt. Noch gestern ankerten wir hier in glasklarem, türkisfarbenem Wasser. Heute wirkt das Meer stahlgrau und kühl, der Sandgrund ist nicht mehr zu erkennen. Die unterschiedlichen Stimmungen des Meeres beeindrucken uns immer wieder aufs Neue.
Schon bald liegt die Bucht von Naoussa hinter uns. Wir umrunden Paros und segeln anschließend nach Süden in den Paros-Kanal. Über den Bergen von Naxos türmt sich eine große, dunkle Regenwolke auf. Wie eine graue Wand verdeckt sie die Sicht auf den südlichen Teil der Insel. Wir beschließen, diesen Bereich weiträumig zu umfahren, und bleiben nahe an der Küste von Paros.
Unsere Taktik geht auf. Als wir schließlich Kurs auf Schinoussa nehmen – direkt in Richtung der grauen Regenfront –, bekommen wir nur noch wenige Schauer ab. Im Windschatten im Süden von Naxos schläft der Wind schließlich ganz ein, und wir legen die restliche Strecke unter Motor zurück. Um 18 Uhr fällt unser Anker in der Ormos Livadi.
Die kleine Insel Schinoussa liegt bei Nordwind gut geschützt in der Abdeckung von Naxos. Unsere Bucht im Südwesten sollte daher auch in den nächsten Tagen ein sicherer und ruhiger Ankerplatz sein.
Nach dem Frühstück fahren wir an Land und spazieren hinauf nach Chora, dem beschaulichen Hauptort der Insel. Hier lebt der Großteil der insgesamt nur etwa 230 Einwohner. Wir kaufen frisches Gemüse und gehen anschließend weiter zum kleinen Hafen von Mersini. Nach den Tagen auf Paros fühlt sich Schinoussa angenehm ruhig und ursprünglich an.
Am Nachmittag fange ich schließlich den ersten Fisch dieser Saison. Mit einem Gummifisch als Köder dauert es nicht lange, bis ein kräftiger Biss die Angelrute durchbiegt. Ein etwa 50 Zentimeter langer, uns unbekannter Fisch landet im Kescher und gibt eigenartige Sauggeräusche von sich. Nach einer kurzen Internetrecherche wissen wir, was an unserem Haken hängt: ein Hasenkopf-Kugelfisch. Sein Nervengift ist hochgefährlich und kann tödlich sein. Zudem besitzt der Fisch extrem scharfe Zähne. Vorsichtig lösen wir den Haken und setzen ihn wieder ins Meer zurück. Die invasive Art gelangte über den Suezkanal ins Mittelmeer und breitet sich dort rasch aus, da sie kaum natürliche Fressfeinde hat.







