Die Insel Alonnisos

Am nächsten Morgen segeln wir weiter Richtung Alonnisos. Die Insel liegt abseits der Hauptreiserouten rund um Skiathos und dessen Flughafen, weshalb die Anreise etwas aufwendiger ist. Nur wenige Urlauber nehmen das in Kauf. Meist kommen Tagesgäste mit den Fähren im Hafen von Patitiri an. Wir meiden den lebhaften Hauptort und steuern stattdessen die Bucht von Votsi an. Der kleine Naturhafen liegt gut geschützt hinter den Wellenbrechern der Hafeneinfahrt. An der Mole liegen die Boote der Einheimischen, Gastschiffe machen mit Anker und Heckleinen an der gegenüberliegenden Felswand fest. 

Der angekündigte Starkwind bringt viele Segler dazu, hier Schutz zu suchen. Am nächsten Tag trifft ein Schiff nach dem anderen ein, und wir staunen, wie viele Boote letztlich in dieser kleinen Bucht Platz finden. Michael und Esther legen sich mit ihrer „Jamai“ neben uns. Später kommt auch Velizar mit seiner schönen „Le Crevett“ dazu und findet noch einen Platz zwischen Jera und Jamai. 

Der kräftige Meltemi hält uns die nächsten Tage in der geschützten Bucht fest, und so entsteht rasch eine nette Gemeinschaft unter den Nachbarschiffen. Michael, Esther und ihre Tochter Maja sind eine ausgesprochen herzliche bayrisch-niederösterreichische Familie. Velizar wiederum ist ein sympathischer 77-jähriger Einhandsegler, der uns mit spannenden Geschichten aus seinem Leben unterhält. Wir passen gegenseitig auf die Schiffe auf, wenn jemand an Land geht, essen gemeinsam und feiern die Geburtstage von Mel und Michi zusammen. 

Nach einer Woche verlässt Velizar die Bucht und segelt westwärts in Richtung Golf von Volos. Am darauffolgenden Tag zieht auch die Jamai weiter. Mit Nordostwind segeln sie nach Skopelos. 

Wir hingegen brauchen noch etwas Geduld. Nachdem wir bereits in Mesolongi den Boiler getauscht hatten, fanden sich weiterhin Rostspuren im Frischwasser. Für uns bleibt nur noch der Druckausgleichsbehälter als mögliche Ursache. Wir bestellen einen neuen Behälter, und bereits zwei Tage später können wir das Paket im Nachbarort abholen. Beim Ausbau des alten Druckbehälters bestätigt sich unser Verdacht: Das Innere ist stark korrodiert. Wir spülen die Leitungen, montieren den neuen Behälter und nehmen das Wassersystem wieder in Betrieb. Alles funktioniert einwandfrei – das Wasser ist endlich wieder sauber und klar. 

Am Nachmittag fahren wir an Land und wandern hinauf nach Chora. Nach etwa einer Stunde, vier Kilometern und einigen Höhenmetern erreichen wir das malerisch gelegene Bergdorf. Der heutige Feiertag Mariä Himmelfahrt wird hier besonders festlich begangen. Musikkapellen mit traditionellen Instrumenten und Tanzgruppen in folkloristischen Trachten ziehen durch die engen Gassen. Mit Einbruch der Dunkelheit füllen sich Straßen und Tavernen immer mehr. Bevor uns das Gedränge und der Lärm zu viel werden, fahren wir mit dem Bus weiter in den Hauptort Patitiri. In der urigen Taverne „To Kamaki“ – „die Harpune“ – genießen wir ausgezeichnetes Essen und guten Wein. Der Wirt und seine Freunde spielen mit Gitarre und Bouzouki griechische Lieder. Mitten unter Einheimischen sitzen wir dort und freuen uns, Teil dieses besonderen Abends zu sein. Es netter Abend und ein schöner Abschluss unseres Aufenthalts auf Alonnisos.