Crotone in Kalabrien

Um 4 Uhr morgens laufen wir in den Hafen von Crotone ein. Im Dunkeln halten wir Ausschau nach einer freien Anlegemöglichkeit und machen schließlich an der Hafentankstelle fest.

Für ein paar Stunden verschwinden wir in der Koje, doch die Ruhe währt nicht lange. Bereits am frühen Morgen klingelt der Wecker. Die Tankstelle öffnet um 8 Uhr, und bis dahin müssen wir den Liegeplatz wieder freigeben. Zunächst füllen wir den Dieseltank auf, anschließend verholen wir uns in die Marina Club Velico Crotone.

Über das Hafenbüro gelingt es uns, noch für denselben Nachmittag einen Bootselektriker zu organisieren. Gino erscheint gemeinsam mit einem Kollegen, der als Dolmetscher fungiert. Wir schildern die Probleme mit unserem Ladesystem, und die Fehlersuche beginnt. Er kontrolliert die Lichtmaschine, überprüft die Batterien und misst verschiedene Werte. Die Batterien sind dank der Solarpaneele vollständig geladen, und zunächst erklärt er, technisch sei alles in Ordnung. Als Ursache für die Entladung vermutet er eine defekte Batterie. Dann entdeckt er unseren 3.000-Watt-Inverter – und plötzlich steht eine neue Theorie im Raum. Die Batterien seien nun doch nicht das Problem, stattdessen rückt unser Stromverbrauch während der Fahrt in den Fokus. Er empfiehlt, beim Fernsehen und elektrischen Kochen sparsamer zu sein, kassiert 50 Euro und verlässt das Schiff.

Wir sind sprachlos über Ginos Diagnose und wir ärgern uns darüber, dafür Geld bezahlt zu haben.

Also tun wir schließlich das, was wir von Anfang an hätten machen sollen: Wir nehmen die Fehlersuche selbst in die Hand. Wir messen, prüfen und telefonieren mit Freunden, die sich mit Bordelektrik auskennen. Nach einigen Stunden steht die Ursache fest: die Trenndiode.

Dieses Bauteil funktioniert wie ein elektrisches Rückschlagventil. Es verteilt den von der Lichtmaschine erzeugten Strom auf die beiden Batteriebänke – die Starterbatterie und die Servicebatterien. Bei unseren Messungen zeigt sich schnell: Der Ladestrom kommt zwar an der Diode an, einer der beiden Ausgänge liefert jedoch keinen Strom mehr. Die Trenndiode ist defekt.

Wir bestellen online ein baugleiches Ersatzteil, das innerhalb von fünf Tagen in die Marina geliefert werden soll. Die Wartezeit nutzen wir, um Crotone und die Umgebung näher kennenzulernen. Eine Wanderung führt uns entlang der Küste bis zum Leuchtturm von Capo Colonna. Auf den rund zwölf Kilometern eröffnet sich immer wieder ein weiter Blick über das Meer und die schroffe Küstenlandschaft. Für den Rückweg haben wir Glück: Ein freundlicher Einheimischer bietet uns spontan eine Mitfahrgelegenheit an.

Auch kulinarisch wissen wir die ungeplante Pause zu nutzen. Im Hafenviertel gibt es guten und günstigen Fisch. An Bord der Jera gibt es Doradenfilets, Muscheln und Thunfischsteaks.