Meine Gedanken kreisen um das Batteriethema., an Schlaf ist nicht zu denken. Als ich um 1 Uhr die Wache übernehme, zeigen die Servicebatterien nur noch 90 Prozent Ladung an – und das, obwohl wir unter Motor fahren. Von der Lichtmaschine kommt offenbar kein Strom in den Akkus an. Uns wird klar: Wir haben ein Problem.
Bis zum Morgen sinkt der Ladezustand bereits auf 78 Prozent. Mit den ersten Sonnenstrahlen beginnt die Solaranlage wieder Energie zu liefern und die Batterien zu laden.
Wir machen uns auf Fehlersuche. Die Lichtmaschine arbeitet einwandfrei, doch der erzeugte Strom erreicht die Servicebatterien nicht. Die Sicherungen sind alle in Ordnung. Bei der Kontrolle entdecken wir schließlich ein loses Signalkabel und einen freien Steckplatz am Shunt. Wir verbinden das Kabel wieder und hoffen, die Ursache gefunden zu haben.
Bis wir Gewissheit haben, ändern wir vorsorglich unseren Kurs. Statt weiter direkt nach Osten zu laufen, halten wir uns näher an die Küste der italienischen Stiefelsohle. Sollte das Problem bestehen bleiben, können wir schneller einen Hafen anlaufen.
Am Abend sind die Batterien dank der Solarpaneele wieder vollständig geladen. Mit etwas Zuversicht starten wir in die zweite Nacht der Überfahrt.
Zwischendurch haben wir guten Wind und können für einige Meilen segeln. Doch schon bald schläft der Wind wieder ein und der Motor übernimmt erneut die Arbeit. Schnell zeigt sich, dass sich die Servicebatterien trotz laufender Maschine weiter entladen.
Gegen Mitternacht besprechen wir die Lage. Durch unsere küstennahe Route hatten wir kurzzeitig Internetempfang und konnten aktuelle Wetterdaten herunterladen. Die Prognosen haben sich inzwischen deutlich verändert. Für die kommenden Stunden wird mehr Wind vorhergesagt als noch vor dem Start der Überfahrt. Auf unserem aktuellen Kurs kommen wir in ein Gebiet mit 20 bis 25 Knoten Wind, dichter Bewölkung und Regen.
Unter diesen Bedingungen ist nicht sicher, dass die Solarpaneele tagsüber genügend Energie erzeugen können, um die Batterien für die kommende Nacht ausreichend zu laden.
Nach reiflicher Überlegung treffen wir eine Entscheidung: Wir brechen die Überfahrt ab, nehmen Kurs nach Norden und steuern Crotone an. Sicherheit geht vor.
