Überfahrt von Menorca nach Sardinien

Es tut sich ein Wetterfenster für die Überfahrt nach Sardinien auf. Nicht ideal, aber brauchbar. Wind bis 20 Knoten aus NO, wir müssen hart am Wind segeln, um den Süden von Sardinien zu erreichen. Bei einer durchschnittlichen Welle von 1,5 m kein Vergnügen. Aber die letzten Tage haben gezeigt, dass man aufgrund der Großwetterlage derzeit auf keine ruhigen und stabilen Bedingungen hoffen kann.

Wir starten um 10 Uhr vom Hafen Richtung Tankstelle. Danach geht es raus aus dem Schutz des Mahon-Fjordes. Bereits in der Bucht setzen wir das Groß im dritten Reff. Vor der Einfahrt warten schon ungemütliche Bedingungen, eine recht hohe Welle bricht an der Felsenküste.

Der Wind ist mit 15 Knoten schwächer als gemeldet. Die Fock ist zu klein, wir setzen die Genua und vergrößern das Groß auf das zweite Reff.

Nach dem Schutz der Insel steigt die Wellenhöhe teilweise auf über 2 Meter und der Wind legt zu. Wir wechseln wieder auf die Fock und segeln mit 5 bis 6 Knoten.

Es dauert, bis wir uns eingeschaukelt haben, trotzdem bleibt der Amwindkurs mit seitlichen Wellen mühsam. An die Krängung kann man sich gewöhnen, das Auf und Ab in den hohen Wellen ist jedoch unberechenbar. Entsprechend vorsichtig bewegt man sich im Schiff. Ein fehlender Halt im falschen Moment kann schmerzhaft sein.

Ein einfaches Sandwich zu machen ist richtig anstrengend, alles rutscht und rollt. Am Abend wärmen wir uns die vorgekochten Spaghetti mit Linsen-Bolognese auf – beste Seegangsküche bei diesen Bedingungen.

Danach bekommen wir Delfinbesuch. Lange begleiten sie uns und spielen mit dem Schiff und den Wellen.

Als die Sonne untergegangen ist, steigt ein fast voller Mond vom Horizont auf. Es ist nur leicht bewölkt und so ist die Nacht recht hell. Bei den hohen Wellen tut etwas Orientierung gut.

Der Wind bleibt relativ konstant bei 15 Knoten. Wir rauschen mit 6 Knoten durch die Nacht. Immer wieder kommt ein Ausreißer, eine besonders hohe Welle, und spielt mit unserem Schiff.

Manchmal schauen die dunklen Wellenberge im Mondlicht richtig bedrohlich und mächtig aus. Aber Jera findet immer ihren Weg. Auch wenn man glaubt, nach tausend Wellen alle möglichen Bewegungen des Schiffes zu kennen, wird man immer wieder überrascht und taumelt mal links, mal rechts. Hin und wieder trifft eine steile Welle seitlich den Rumpf, zerstäubt und ergießt sich über die Abdeckung des Cockpits.

Die Nacht war anstrengend. Viel Bewegung im Schiff, schlafen war unmöglich. Am Vormittag ruhen wir uns abwechselnd aus.

Zu Mittag legt der Wind zu, wir haben Böen bis 20 Knoten. Auch die Wellen werden wieder höher, teilweise über 3 Meter. Zum Glück mit einem recht großen Abstand von 6 bis 7 Sekunden zwischen den Wellen. Der Nachmittag beginnt anstrengend, an Schlaf ist wieder nicht zu denken.

Es liegen noch 75 Seemeilen bis Sardinien vor uns. Gegen Mitternacht werden wir die vorgelagerte Insel San Pietro erreichen. Wir hoffen auf eine gute Ankermöglichkeit, den kleinen Hafen wollen wir in der Nacht lieber nicht anlaufen.

Um 15 Uhr nimmt der Wind ab, schnell werden auch die Wellen angenehmer. Wir setzen die Genua und reffen das Groß aus. Die Fahrt wird entspannter, man kann sich im Schiff wieder normal bewegen.

Um 19 Uhr sehen wir schönen Wind auf der Anzeige: 13 Knoten aus N. Wir setzen die Genua, das Groß ist noch oben. Auf Halbwindkurs rauschen wir mit 6 Knoten Richtung San Pietro. Tolles Segeln auf den letzten 35 Meilen.

Es geht in die zweite Nacht. Um 21 Uhr frischt der Wind auf 18 Knoten auf, wir holen die Genua ein und setzen die Fock. Mit dem kleinen Vorsegel erreichen wir immer noch 5,5 Knoten Fahrt.

Noch 23 Meilen. Es ist bewölkt, daher leuchtet uns der zwei Tage alte Vollmond nur begrenzt. Vielleicht ändert sich das bei der Ankunft in 4 Stunden, die Ankerplatzsuche wäre mit etwas Helligkeit wesentlich angenehmer. Wir werden um etwa 2 Uhr ankommen.

Wenn das Schiff im Dunkeln Quallen berührt, beginnen diese zu leuchten. Die Lichtkugeln im schwarzen Wasser sind ein echtes Schauspiel.