Wir sind nun seit 3 Tagen in der schönen Bucht von Portinax, nachdem wir die Cala San Miguel wegen des starken Schwells nach einer Nacht verlassen haben.
Die Bucht ist relativ gut geschützt, nur bei Wind aus Norden ist man den Wellen ausgesetzt. Aber der Wind kommt meist aus östlicher Richtung und so liegen wir meist ruhig und entspannt.
Herrlich klares Wasser lädt zum Schwimmen ein, die Felsenküste zum Schnorcheln. Wir reinigen das Unterwasserschiff und schaben den Bewuchs am Propeller ab. Eine recht anstrengende Arbeit mit vielen Tauchgängen. Meine untrainierten Lungen erlauben nur kurze Zeit unter Wasser. Aber wir sehen es als Training und das Ergebnis macht Spaß.
In der Bucht istangenehm überschaubarer Tourismus, die Leute sind sehr freundlich. Einige nette Lokale bieten Essen undGetränke zu fairen Preisen an.
Hier gefällt es uns, wir wollen so lange wie möglich bleiben. Einzig das Trinkwasser wird unseren Aufenthalt begrenzen, denn hier gibt es keine Möglichkeit, unsere Tanks nachzufüllen. Das heißt: Wasser sparen …
Wir liegen mittlerweile 3 Tagen in der Bucht. Die aktuellen Prognosen melden, dass nördlich von Ibiza eine Kaltfront durchzieht und Gewitter bringt. Ab 14 Uhr soll Nordostwind kommen, der dann genau in die Bucht von Portinax wehen und etwas Welle bringen wird. Das Ganze soll etwa 2 Stunden dauern, dann dreht der Wind nach Osten und die Situation soll sich beruhigen.
Wir werden die ungemütlichen Bedingungen an Bord absitzen, damit wir bei Bedarf reagieren können.
Um 9 Uhr frühstücken wir und fahren dann bei Windstille und spiegelglattem Wasser mit dem Dinghy an Land, um einzukaufen.
Wir sind keine 15 Minuten im Geschäft, als das Telefon läutet. Freunde von einem Nachbarschiff informieren uns, dass Jera driftet.
Der halb volle Einkaufswagen bleibt stehen und wir laufen an den Strand zum Dinghy. Die Bedingungen in der Bucht haben sich komplett geändert. Ordentliche Windböen bringen Wellen in die Bucht. Einige Schiffe driften und treiben aufeinander zu.
Auch Jera kommt den leeseitigen Schiffen schon sehr nahe. Wir kämpfen uns mit dem Beiboot gegen Wind und Welle zum Schiff, starten den Motor und holen den Anker auf.
Mehrmals versuchen wir, den Anker neu zu setzen, finden jedoch keinen Halt. Der Wind wird immer stärker, mittlerweile erreichen die Böen über 30 Knoten und die Wellen einen Meter und mehr. Das Wasser fliegt uns um die Ohren, rund um uns driften die Schiffe. Überall verzweifelte Versuche, die zusammengetriebenen Schiffe wieder auseinanderzubringen, Geschrei und Stress.
Weitere Ankerversuche machen keinen Sinn, wir müssen die Bucht verlassen. Mel kämpft am Bug und holt den Anker auf. Die Welle ist mittlerweile weit über 1,5 Meter. Ich versuche, Jera genau in die Welle zu fahren, um nicht quer zu schlagen. Der Bug hebt sich auf dem Wellenberg in den Himmel und knallt dahinter ins Tal. Wasserfontänen schießen meterweit seitlich vom Bug. Wasser strömt über das Deck, die Gischt peitscht uns ins Gesicht.
Richtig harte Bedingungen und wir haben nur eine Möglichkeit: raus aus der Bucht, Flucht aufs offene Meer.
Der Motor läuft mit hoher Drehzahl und schiebt Jera Meter für Meter gegen die Wellen. Momente, in denen ein Motorausfall fatal wäre.
Wir gewinnen ausreichend Abstand zum Land, setzen die halbe Fläche der Fock und segeln entlang der Nordküste nach Osten. Böen über 30 Knoten und die Welle von der Seite. Teilweise können wir vom Cockpit nicht mehr über die Wellenberge sehen, die größten Ausreißer haben sicher 2,5 Meter.
Als wir endlich das östliche Kap bei Punta Grossa erreichen, können wir auf einen Vorwindkurs abfallen.
Keine Stunde später sind wir hinter dem Kap geschützt vor Wind und Welle und erreichen die Bucht von Sant Vincent. Unser Anker fällt vor dem schönen Strand.
Auf solche extremen Bedingungen waren wir nicht vorbereitet. Wir haben uns auf die Prognose verlassen und uns die Bedingungen eher gutgeredet. Letztlich kam der Starkwind früher, stärker und innerhalb einer unglaublich kurzen Zeit.
Unter Deck sieht es aus wie auf einem Schlachtfeld.
Lessons learned: Wetterinformationen immer ernst nehmen und zusätzliche Sicherheit einplanen. Lieber fünfmal zu früh die Bucht wechseln, als einmal zu spät.
