Die Insel Formentera

Um 15 Uhr gehen wir Anker auf und fahren aus dem Vorhafen von Torrevieja. Bei 11 Knoten Wind setzen wir das Großsegel und die Genua.

Wir rauschen mit 5 Knoten Fahrt durch das glatte Wasser. Schon bald legt der Wind auf 16 Knoten zu, und wir erreichen bis zu 7 Knoten Speed. Traumhaftes Segeln bei herrlichen Bedingungen: wolkenlos und warm.

Die Windrichtung erlaubt uns einen direkten Kurs Richtung Osten. Wir werden Formentera voraussichtlich morgen Mittag erreichen.

Nach einem herrlichen Sonnenuntergang geht es in die Nacht, und ein wunderbarer Sternenhimmel begleitet uns auf dem Weg nach Formentera.

Um 4 Uhr morgens nimmt der Wind ab. 7 Knoten Wind reichen gerade so für 3,5 Knoten Fahrt. Trotzdem möchten wir den Motor nicht starten und die Ruhe der Nacht stören. Wir haben kaum Wellen, daher stehen die Segel recht ruhig.

Der Wind kommt noch einmal bis auf 10 Knoten, um 8 Uhr ist dann jedoch endgültig Schluss, und wir müssen den Motor starten. Die letzten Seemeilen bis Formentera geht es unter Motor.

Um 11 Uhr erreichen wir die Cala Saona. 10 Schiffe liegen hier vor Anker, und wir finden einen guten Platz auf 8 Meter Tiefe mit genügend Abstand zum Strand.

Unser Anker fällt ins glasklare, türkisfarbene Wasser und gräbt sich bombenfest in den weißen Sand.

Nachdem die Segelausrüstung aufgeräumt und die Bimini aufgestellt ist, springen wir ins kühle Nass. Wir schnorcheln um das Schiff und inspizieren zum ersten Malin diesem Jahr das Unterwasserschiff. Die Coppercoat-Beschichtung scheint ihren Dienst gut zu machen, nur im Tunnel des Bugstrahlruders ist ordentlich Bewuchs. Hier ist demnächst eine Reinigung fällig.

Auch die Logge ist voll mit kalkigen Krusten der Seepocken. Beim Versuch, das Geberrad zu reinigen, bin ich zu grob und breche einen Flügel ab.

Die Anode am Propeller ist am Ende und muss getauscht werden.

Den Rest des Tages lassen wir gemütlich ausklingen. Nach ein paar Bier zum Sonnenuntergang geht es in die Koje. Während der gestrigen Nachtfahrt haben wir beide nicht viel geschlafen.

Schon beim Aufwachen schaukelt Jera in den Wellen. Leichter Wind bringt Schwell in die Bucht.

Wir erneuern die Anode am Propeller. Meine Atemluft reicht nur für kurze Tauchgänge, und es dauert, bis die Schrauben der alten Anode gelöst und die neue montiert ist.

Obwohl wenig Wind herrscht, nimmt der Schwell in der Bucht zu, und das Schiff liegt sehr unruhig.

Am Abend flaut der Wind dann ganz ab, die Wellen in der Bucht werden jedoch immer stärker. Im 10-Sekunden-Takt schwenkt das Schiff zur Seite, manchmal bis zu 30° Krängung.

Die Nacht wird ungemütlich. Der Baum schlägt, lose Sachen rutschen herum. An Schlaf ist kaum zu denken.

Die Nacht vergeht, es dämmert, es wird hell, der Schwell lässt nicht nach. Höchste Zeit, den Ankerplatz zu wechseln.

Wir starten Richtung Norden. Hinter den Kaps von Punta de Sa Gavina und Punta de Sa Pedrera finden wir Schutz vor den Wellen aus Südwest.

Nördlich der Illa de Pouet fällt unser Anker ins türkise Wasser.

Ein schöner Ort, es sind auch schon einige Schiffe hier. Wir fahren mit dem Dinghy an Land und wollen in der Strandbar frühstücken. Als wir die Preise sehen, vergeht uns der Hunger: Rührei mit Schinken für 22 Euro. Na dann – guten Appetit!

Nach einem Spaziergang am Strand starten wir gegen Mittag zurück zum Schiff. Der Ankerplatz ist mittlerweile gut gefüllt. Wir fahren mit dem Dinghy Slalom zwischen den Schiffen im Rhythmus lauter Partymusik. Unglaublich, wie voll es hier nun ist.

Am Abend wird es ruhiger. Die Tagesausflugsboote verlassen den Ankerplatz, und auch der Strand leert sich langsam.

Wir fahren mit dem Dinghy zu einem etwas abgelegenen Strandabschnitt, wo wir uns ein wenig die Füße vertreten wollen.

Richtung Land werden die Wellen höher und brechen am Strand. Bei der Ansteuerung sehen wir einige Felsen knapp unter der Oberfläche. Sicherheitshalber stoppen wir den Außenborder und schwenken ihn aus dem Wasser.

Unser Schwung reicht leider nicht, und wir treiben unkontrolliert in der Dünung. Jede Welle treibt uns näher ans Land, und die letzte, besonders große, spült uns spektakulär an den Strand. Zum Glück ohne Überschlag sitzen wir mit offenem Mund im Schlauchbootauf dem Trockenen.

Alles gut gegangen, nichts ist passiert.

Die Anlandung mit einem kleinen Schlauchboot und Außenborder bei Welle ist nicht ohne. Das muss wohl noch geübt werden 😉

Am späten Abend sind nur mehr wenige Schiffe am Ankerplatz. Wir sitzen im Cockpit und genießen die Ruhe.

Jedoch nicht lange.

Drei junge Männer nähern sich mit einem Charterschiff und fahren unmittelbar neben uns mit lautstarken Kommandos mehrere Ankermanöver.

Letztendlich kommen sie auf dem fast freien Ankerfeld keine 20 Meter neben uns zu liegen. Bei lauten Partyliedern werden die ersten Getränke geöffnet.

Wir entscheiden uns, umzuankern, und finden schnell ein schönes Plätzchen. Nach einem Sprung ins Wasser und einer erfrischenden Dusche genießen wir den ruhigen Abend und die Nacht.