Die Fiestas von Mare de Déu de Gràcia in Mahón finden jedes Jahr am 7. und 8. September statt. Das bunte und lebhafte Volksfest findet zu Ehren der Schutzheiligen Virgen de Gracia, der Jungfrau Maria, statt.
Den Auftakt der Feierlichkeiten verkündet am 7. September um 4 Uhr nachmittags ein Glockenspiel am Rathausplatz. Von hier aus zieht ein Festzug aus Pferden, Reitern und riesigen Figuren durch die Straßen von Mahón.
Zum Höhepunkt des ersten Tages trifft die Reiterprozession um 21 Uhr wieder am Rathausplatz zum spektakulären „Jaleo“ ein. Wir ziehen mit der Menschenmenge durch die Gassen der Stadt und landen letztendlich am Rathausplatz. Dicht gedrängt stehen wir hier und ahnen noch nicht, was wir gleich erleben werden.
Die Musik verstummt und ein Schreien geht durch die Menge. Drei Reiter stehen mit ihren riesigen schwarzen Pferden inmitten der Menschenmenge. Es wird gedrückt und geschoben. Sie setzen sich in Bewegung, drängen die Menschen zur Seite und bahnen sich einen schmalen Korridor zum Rathaus. Noch bevor wir uns der Situation, ja der Gefahr, bewusst werden, beginnt das unglaubliche Schauspiel!
Die schmale freie Gasse hinter den Reitern verläuft unmittelbar neben uns. Ein weiterer Reiter kommt und stoppt keine drei Meter entfernt. Plötzlich bäumt sich das Pferd auf und steht auf den Hinterbeinen. Sand aus den Hufen der Vorderbeine rieselt auf uns herab, der Schweiß des Pferdes spritzt. Auf den Hinterbeinen geht es meterweit durch die Menschenmenge.
Wie angewurzelt, mit offenem Mund, stehen wir da und können nicht glauben, was hier abgeht. Verdammt – wie durch ein Wunder scheint alles gut gegangen zu sein. Niemand wurde überrannt, niemand ist verletzt.
Schon steht der nächste Reiter vor uns und lässt das Pferd auf den Hinterbeinen in den vollen Rathausplatz stürmen. Die Leute schreien und jubeln. Es folgen 20, 30 Reiter und Reiterinnen. Je spektakulärer ihr Auftritt, je weiter die zurückgelegte Strecke auf den Hinterbeinen, desto lauter der Jubel.
Unser anfänglicher Schrecken ist verflogen, auch wir feuern die Reiter an und jubeln. Ich erwische mich, wie ich lauthals aufschreie, als ein Pferd erst nach 20 Metern die Vorderbeine zwischen den Leuten auf den Boden bringt.
Danke, Mahón, für dieses einmalige, spektakuläre Erlebnis! Diese Bilder, diese Emotionen, diese Stimmung bleiben für immer im Kopf. Das ist Spanien, das wir über ein Jahr lang lieben gelernt haben. Die offenen Gefühle der Leute, das Feuer in ihren Augen.
Eine solche Veranstaltung wäre in Österreich unvorstellbar. Gesetze, Regeln, Haftung ersticken solche Ideen im Keim. Hier applaudieren die Polizisten den Reitern. Und die beiden letzten Reiter des Aufmarsches? Der Pfarrer und der Bürgermeister.
