Nachdem wir gestern den Motor wieder zum Laufen gebracht haben, stehen wir bereits um 9 Uhr im Büro der Marina und versuchen, unseren Aufenthalt zu verkürzen. Doch alle Bitten werden freundlich, aber bestimmt abgelehnt. Gebucht ist gebucht – und das gilt leider auch für den Notfall-Liegeplatz.
Damit ist klar: Wir werden das Osterwochenende in der Marina Gouvia verbringen.
Nachdem die erste Enttäuschung verflogen ist, beschließen wir, das Beste aus der Situation zu machen. Statt uns über die ungeplante Pause zu ärgern, nutzen wir die Zeit, um Korfu näher kennenzulernen. Für zwei Tage mieten wir ein Auto und machen uns auf den Weg, die Insel zu erkunden.
Da die Marina etwa in der Mitte Korfus liegt, widmen wir den ersten Tag dem Süden der Insel. Unser erster Stopp ist der Glyfada Beach. Hier war ich bereits als 16-Jähriger mit Freunden unterwegs – damals mit Rucksack und Zelt, heute, rund 40 Jahre später, mit dem eigenen Segelboot. Ein besonderer Moment, der Erinnerungen weckt und einmal mehr zeigt, welche überraschenden Wege das Leben manchmal nimmt.
Anschließend führt uns unser Roadtrip zum Kaiser’s Throne oberhalb des Dorfes Pelekas. Von hier eröffnet sich ein beeindruckender Rundumblick über Korfu, das Ionische Meer und die Küste Albaniens. Die Landschaft liegt uns zu Füßen, und wir verweilen eine ganze Weile, um das Panorama zu genießen.
Danach besuchen wir die byzantinische Festung von Gardiki, deren mächtige Mauern von der bewegten Geschichte der Insel erzählen. Unser letzter Stopp an diesem Tag ist der Korission-See im Südwesten Korfus. Die weitläufige Lagune, die durch schmale Dünen vom Meer getrennt wird, bildet einen reizvollen Kontrast zur sonst eher bergigen Insellandschaft.
Am Abend kehren wir nach Gouvia zurück.
Den zweiten Tag verbringen wir im Norden der Insel. Unser erstes Ziel ist der Pantokratoras, mit über 900 Metern der höchste Berg Korfus. Über eine kurvenreiche Bergstraße gelangen wir bequem bis zum Gipfel. Die Aussicht von dort oben ist spektakulär. Im Norden erkennen wir die Inseln Othonoi, Erikousa und Mathraki. Im Osten erstreckt sich die beeindruckende Küste Albaniens, und im Süden zeichnen sich am Horizont die Umrisse von Paxos ab.
Anschließend fahren wir weiter in den äußersten Nordwesten der Insel zum Cape Drastis. Die hellen Sandsteinformationen, die vom Meer und Wind geformt wurden, zählen zu den markantesten Landschaften Korfus und bieten faszinierende Ausblicke auf die zerklüftete Küste.
Von dort folgen wir der Westküste südwärts bis zum Porto Timoni Beach. Unser Auto lassen wir im Dorf Afionas stehen und spazieren zu einem Aussichtspunkt oberhalb der berühmten Doppelbucht. Das Wasser schimmert in verschiedenen Blau- und Türkistönen, während die schmalen Landzungen die beiden Buchten voneinander trennen – ein Anblick, der zu den schönsten der gesamten Insel zählt.
Auf dem Rückweg legen wir noch einen letzten Stopp in der urigen Taverne „The Old School“ bei Aspiotades ein. Bei regionalen Spezialitäten und hausgemachten Gerichten lassen wir die Eindrücke des Tages Revue passieren.
Manchmal sind es gerade die ungeplanten Aufenthalte, die sich im Nachhinein als besonders wertvoll erweisen. Was zunächst wie eine lästige Verzögerung erschien, hat uns die Gelegenheit gegeben, Korfu intensiv kennenzulernen – weit über das hinaus, was wir ursprünglich geplant hatten.
