Die nächste Etappe führt uns von der Insel Paxos nach Epirus auf dem griechischen Festland, nördlich des Ambrakischen Golfs.
Nach dem Frühstück gehen wir Anker auf und nehmen zunächst Kurs auf die kleine Schwesterinsel Antipaxos. Im Nordosten liegen drei malerische Buchten mit hellen Stränden und türkisfarbenem Wasser. Für einen Badestopp ist es jedoch noch zu kühl. Stattdessen segeln wir dicht an der Küste entlang und genießen den Blick auf die einsamen Buchten, bevor wir unseren Kurs nach Osten ändern und bei leichtem Wind in Richtung Festland weitersegeln.
Am frühen Nachmittag erreichen wir die Two Rocks Bay und lassen den Anker vor dem wunderschönen Scala Beach fallen. Im April ist die Bucht menschenleer. Die kleine Strandbar hat noch geschlossen, und außer dem Rauschen der Wellen ist kaum ein Geräusch zu hören.
Die abgelegene Bucht liegt fernab größerer Siedlungen. Nach Einbruch der Dunkelheit gibt es keinerlei Fremdlicht. Über uns spannt sich ein beeindruckender Sternenhimmel, wie man ihn nur noch an wenigen Orten erleben kann.
Mit dem Dinghy fahren wir an Land und wandern zum etwa drei Kilometer entfernten Dorf Valanidorrachi. Der Weg führt entlang eines kleinen Flusses durch eine weite Ebene. Nur ein Teil des Feuchtgebiets wird landwirtschaftlich genutzt, große Flächen sind sich selbst überlassen. Entsprechend vielfältig zeigt sich die Tierwelt. Wir beobachten Reiher und hören den Gesang der Deichrohrsänger aus den Schilfgürteln.
Im Dorf kaufen wir frisches Brot und Gemüse, bevor wir in der Taverne Artemis einkehren. Eine Speisekarte gibt es nicht. Stattdessen führt uns der Wirt direkt in die Küche und präsentiert stolz die frisch zubereiteten Gerichte des Tages. Unsere Wahl fällt auf gebratenes Hühnchen mit Kräuterkartoffeln und ein köstliches Bohnengericht. Das Essen ist hervorragend und überraschend günstig. Der anschließende Spaziergang zurück zur Bucht kommt unserer Verdauung durchaus entgegen.
Dienstag 29.04.2025 am späten Vormittag gehen wir erneut Anker auf und nehmen Kurs auf Preveza.
Nach etwa einer Stunde unter Motor setzt endlich der Wind ein. Bei rund acht Knoten können wir die Segel setzen – volles Groß und die gesamte Genua. Zunächst gleiten wir entspannt dahin, doch als wir den Windschatten der Berge nördlich von Preveza verlassen, frischt der Wind deutlich auf.
Schon bald segeln wir bei rund 25 Knoten Wind hart am Wind nach Süden. Das Groß ist inzwischen im dritten Reff, die Fock deutlich verkleinert. Die Bedingungen sind sportlich, aber Jera läuft hervorragend.
Auf Höhe der Einfahrt zum Ambrakischen Golf lässt der Wind wieder nach. Wir bergen die Segel und folgen unter Motor der betonnten Fahrrinne. Im Kanal haben wir die Strömung auf unserer Seite und laufen mit rund sieben Knoten in Richtung Preveza.
Am Ankerplatz treffen wir Bert und Donna auf ihrer Galu Galu. Sie waren etwas früher durch die Engstelle gefahren und hatten deutlich stärkere Gegenströmung erwischt. Wir kennen die beiden noch aus unserem Winterlager in Almerimar. Da sie bereits seit längerer Zeit im Ionischen Meer unterwegs sind, gibt es beim Wiedersehen viel zu erzählen.
Preveza liegt an der Nordseite der Meerenge zum Ambrakischen Golf und präsentiert sich bereits in der Vorsaison überraschend lebendig. Zahlreiche Charterunternehmen haben hier ihre Basis, und entlang der Promenade reiht sich ein Café an das nächste Restaurant. Schon jetzt herrscht reges Treiben. Man kann sich gut vorstellen, wie voll die Stadt in den Sommermonaten wird.
Nach drei Tagen am Ankerplatz nördlich der Stadt zieht es uns schließlich in den Ambrakischen Golf. Die Region ist bekannt für ihre Ruhe, ihre vielfältige Tierwelt und die weitgehend unberührte Natur. Wir beobachten Delfine, Pelikane und Schildkröten.
Das Wasser besitzt zwar nicht die kristallklare Transparenz der Ionischen Inseln, weshalb viele Chartercrews direkt weiter Richtung Inselwelt segeln. Für uns macht gerade diese Ursprünglichkeit den besonderen Reiz des Golfs aus. In der Vorsaison begegnen wir oft stundenlang keinem anderen Schiff.
Unser Anker fällt in einer einsamen Bucht. Umgeben von Vogelstimmen und völliger Stille verbringen wir eine herrliche Nacht mitten in der Natur.
Am nächsten Tag segeln wir weiter nach Kopraina, einem kleinen Hafen mit einer urigen Taverne direkt am Wasser. Auch hier sind wir das einzige Boot vor Anker. Von dort geht es wieder westwärts nach Koukounitsa. Am Abend treffen wir Bert und Donna erneut und verbringen einen gemütlichen Abend an Bord der Jera. Bei gutem Essen und vielen Geschichten vergeht die Zeit wie im Flug.









