Während der Nordwindtage liegen wir gut geschützt vor dem kleinen Ort Skala Kallonis. Hier gibt es zwei kleine Lebensmittelgeschäfte und einige Tavernen.
Wir erkunden das Hinterland und wandern durch die ruhige, naturnahe Umgebung.
Am Sonntag den 28. September, nach drei Tagen Meltemi, wechseln die Bedingungen. Nun überwiegt die Thermik und ab Mittag kommt der Wind von Süden und bringt auflandige Wellen. Es ist Zeit den Ankerplatz zu verlassen.
Wir segeln 8 Meilen südwärts und finden einen guten Ankerplatz in der Aphotikes Bay, am Eingang des Golfes von Kallonis. Vor dem kleinen Fischerort Apothika liegt man bei diesen Bedingungen perfekt. Von hier haben wir auch einen idealen Absprungpunkt für unsere Weiterfahrt.
Zu unserem Glück hat die einzige Taverne im Ort heute geöffnet. Hier wir zu dieser Jahreszeit nähmlich nur Sonntags gekocht, aber dann ist es von Einheimischen gut besucht. Es gibt gutes Essen zu einem fairen Preis.
Eine kleine Wanderung führt uns zu einer interessanten Steinmauer inmitten karger Schafsweiden. Die Steine sind der Rest eines antiken Heiligtums.
Dienstag 30.09.2025 – Einmal mehr bestimmen die Wetterprognosen unsere Routenplanung. Ein großes Tiefdruckgebiet zieht von Westen in unsere Richtung, der Kern wird nördlich von uns durchziehen und starke Gewitter bringen. Von den ionischen Inseln gibt es Meldungen über Starkregen und Überschwemmungen.
Eigentlich wären wir gerne zur Westküste gesegelt, aber bei diesen Vorhersagen ändern wir unseren Plan und segeln in die Geras Bucht im Osten. Diese bietet gute Ankermöglichkeiten und Schutz vor Wind aus allen Richtungen.
Am späten Vormittag verlassen wir die Aphotikes Bay, segeln aus dem Golf von Kallonis und dann entlang der Südküste ostwärts. Am Nachmittag sind wir auf Höhe der Bucht von Gera.
Die Ansteuerung ist wunderschön. Man fährt zwischen kleinen Felsinseln auf die Küste zu, es geht zwischen zwei Untiefen hindurch, dann um ein weit ins Fahrwasser reichendes Riff herum, bevor man dann recht spät die schmale fjordartige Zufahrt sehen kann.
Die verwinkelte Einfahrt bietet in der Bucht einen guten Schutz vor Wellen aus südlichen Richtungen. Beim Ausfahren sollte jedoch kein starker Südwind herrschen, denn dann man von einer unangenehmen Brandung überrascht werden.
Etwa 2 Meilen nach der Einfahrt liegt der Ankerplatz von Skala Loutra.
Donnerstag 02.10.2025 – Heute Nacht wird uns die Front des Tiefdruckgebietes erreichen. Am Satellitenbild wirkt das riesige Wolkenband über der westlichen Ägäis richtig bedrohlich. Der griechische Wetterdienst gibt höchste Warnstufe aus, man rechnet mit starken Gewittern, Sturmböen, Starkregen und Hagel.
Wir bereiten das Schiff und uns bestmöglich vor. Das Unwetter wird von SW kommen, entsprechend fahren wir den Anker mit hoher Motordrehzahl ein. An Deck wird alles gesichert. Die Bimini wird abgebaut und die Kuchenbude montiert, so haben wir bei Regen ein trockenes Cockpit für die Ankerwache.
Als alles vorbereitet ist fahren wir an Land und nutzen die letzten ruhigen Stunden für einen Spaziergang.
Zurück am Schiff gibt es ein gutes Abendessen, dann beginnt das Warten. Regelmäßig checken wir den Wetterbericht und beobachten das aktuelle Satellitenbild und die Blitzortungen. Unaufhaltsam nähert sich die Front. Um Mitternacht beginnt das Wetterleuchten am westlichen Horizont, bald darauf hören wir Donnergrollen.
Es ist absolut windstill als die ersten Regentropfen auf die Kuchenbude trommeln. Es ist soweit. Wir schlüpfen ins Ölzeug für den Fall, dass wir raus müssen.
Der erste Blitz erhellt die Bucht, wenige Sekunden später knallt der Donner in die Stille der Nacht. Zeitgleich öffnet der Himmel seine Schleusen.
Wir rechnen jederzeit mit den ersten Sturmböen und starten vorsichtshalber den Motor.
Rund um uns leuchten die Blitze, durchgehend grollen Donner. Einige Blitze schlagen in unmittelbarer Nähe ein, deren Donners lässt das Wasser und unser Schiff vibrieren. In solchen Momenten spürt man die unglaubliche Gewalt der Natur und erkennt das wahre Verhältnis menschlicher Größe in unserer Welt.
Der Windmesser zeigt nach wie vor kaum Bewegung in der Luft.
Nach einer Stunde ist die Gewitterfront über uns hinweg gezogen und entfernt sich Richtung Osten. Der Regen wird weniger und kaum zu glauben, Wind blieb komplett aus.
Wir stoppen den Motor, schalten die Instrumente aus, schlüpfen aus dem ungebrauchten Ölzeug und verkriechen uns in die Koje. Alles ist gut überstanden.
Am Freitag 03.10.2025 in der Früh hat sich das Wetter beruhigt, nur hin und wieder regnet es, der Wind ist mäßig. Am Nachmittag trüben nur mehr wenige Wolken den blauen Himmel und die Sonne lacht bereits wieder.
Die Wetterwarnungen sind aufgehoben, die Prognosen schauen gut aus.
Wir freuen uns, dass alles gut überstanden ist. Um 22 Uhr gehts in die Koje, es gibt Schlaf nach zu holen.
Zwei Stunden später schreckt uns ein Knall aus dem Schlaf. Noch bevor wir realisieren was los ist, erhellt ein Blitz die Koje und der Donner grollt zeitgleich. Der Regen fließt in Strömen über das Deck.
Fuck, wieder ein Gewitter und das genau über uns.
Mel springt aus dem Bett und hat schon das Ölzeug an, als ich schlaftrunken folge. Erste Windböen drücken seitlich an Jera.
Noch während ich das Ölzeug anziehe beruhigt sich alles. Zum Glück nur eine kleine Gewitterzelle.
Also wieder raus aus den Klamotten und zurück ins Bett.
Sonntag 05.10.2025 – Die labile Wettersituation bleibt bestehen, das nächste Tief ist im Anmarsch und wird uns morgen Nacht erreichen. Wir kennen nun den Schutz der Bucht von Skala Loutra und wettern auch dieses Unwetter hier ab.
Wie gemeldet hat uns die Kaltfront des Tiefs am Montag Abend erreicht. Um 21 Uhr beginnt es zu regnen, um 1 Uhr streifen uns die Gewitter.
Wieder ist der Schutz in der Skala Loutra mega, die Windböen erreichten maximal 20 Knoten.
Mittwoch 08.10.2025 – Heute ist es ungemütlich, Dauerregen und kühl. Am Abend haben wir nur mehr 19° im Schiff. Früh verkrieche ich mich mit einem Buch in die Koje und wärme mich unter der Bettdecke. Ich brauche zwei von Jack Londons Südseegeschichten, bis meine Füße warm sind.
