Donnerstag 09.10.2025 – Über unserer Koje ist eine Luke. Der erste Blick nach dem Aufwachen fällt durch dieses Fenster, dann entscheidet sich, ob wir motiviert aufstehen oder noch ein wenig liegen bleiben.
Heute liegt Wasser auf der Glasfläche und man erkennt das grau der Bewölkung. Aber… kein Regen! Das ist für heute genug Motivation. Raus aus den Federn und alles vorbereiten, um los zu starten.
Um 10 Uhr gehen wir Anker auf und verlassen die Skala Loutra.
Schon in der Ausfahrt aus dem Golf von Gera setzen wir das Groß, jedoch mehr zum Trocknen nach den letzten Regenfällen, als zum Segeln.
Leichter Wind begrüßt uns erst an der Südküste, ab hier segeln wir gemütlich um das SO Kap.
Wir freuen uns wieder unterwegs zu sein. Und sind stolz auf uns, bei den Unwettern der letzten Tage nicht in einen Hafen geflüchtet zu sein.
Am Kap dreht der Wind östlich, so dass wir bei gleichem Winkel zum Wind perfekt nach Norden steuern können. Zudem haben wir ab hier 0,5 bis 1 Knoten Strömung mit uns.
Es läuft besser als gedacht. Wir segeln vorbei an Mytelini, mit Blick auf das nahe türkische Festland im Osten.
8 Meilen vor Pedi, unserem heutigen Ziel, verlässt uns der Wind und wir starten den Motor.
In der Bucht von Pedi sehen wir, wie Delfine die einen Schwarm Fische jagen. Das Wasser kocht und darüber kreisen Möwen, Sturmtaucher und Kormorane. Auch sie holen sich ihre Anteil.
Um 17 Uhr, nach fast 30 Seemeilen fällt unser Anker. Am Abend gehen wir noch an Land und besuchen die Taverne To Kamini.
Das Essen ist ok und die Gesellschaft ist nett. 2 Katzen und ein freundliches Dobermannweibchen helfen uns tatkräftig beim Essen 🙂
Freitag 10.10.2025 – Um 10 Uhr steuern wir aus der Bucht, vorbei an der vorgelagerten kleine Insel Barmpalias.
Leider bleibt der Wind aus und so geht es unter Motor in den Norden der Insel.
Im Hafen von Mithymna legen wir uns längsseits an die Kaimauer. Außer uns liegt nur ein weiteres Segelschiff hier.
Mithymna ist wunderschön. Die Burg am höchsten Punkt am Hügel, die Steinhäuser an den Hängen und die engen Gassen sind einzigartig und bezaubernd.
Am Montag den 13.10 2025 verlässt das zweite Segelschiff den kleinen Hafen, nun liegen wir alleine mit den Fischern an der Kaimauer.
Wir kommen ins Gespräch mit einem Einheimischen und er erzählt erzählt uns, dass Mithymna in der Hauptsaison sehr überlaufen ist. Jetzt, Mitte Oktober, sind nur wenige Touristen hier. Im Winter ist der Ort dann wie ausgestorben, fast alle Geschäfte und Tavernen geschlossen.
Dienstag 14.10.2025 – Wir benötigen Diesel. Wie in vielen Häfen in Griechenland üblich, liefert eine örtliche Tankstelle den Diesel mit einem Tankwagen zum Schiff.
Nach telefonischer Abstimmung vereinbaren wir die Lieferung nach Petra.
Von Mithymna fahren die 2,5sm nach Petra und liegen dort als einziges Segelschiff gemeinsam mit der Coast Guard und den Fischern an der Kaimauer. Alle sind freundlich und entspannt, auch die Crew eines 30m langen Fischkutters, der keine 3m hinter Jera anlegen muss. Kein schöner Hafen, aber authentisch.
Mittwoch 15.10.2025 – Um 10 Uhr legen wir in Petra ab und starten Richtung Westen, entlang der Nordküste.
Nach der kleinen Insel Nisida Petra, auch Rabbit Island genannt, setzen wir die Segel. Der Wind ist mit 8 kn recht schwach, aber wir segeln mit 3 bis 4 kn auf Halbwindkurs gemütlich dahin.
Ab dem NW Kap nimmt der Wind zu, wir gehen auf Vorwindkurs und segeln mit ausgebauter Genua und Groß im Schmetterling südwärts bis vor den Kanal nördlich der Insel Megalonisi.
Die Durchfahrt mit ausreichend Tiefe ist relativ schmal, unter Vollbesegelung ist uns das zu riskant. Wir rollen die Genua weg und segeln mit Groß durch die Passage, den Motor lassen wir zur Sicherheit ausgekuppelt mitlaufen.
Wir erreichen Sigri und entscheiden uns für den Ankerplatz südlich des Ortes. Hier liegen wir gut geschützt vor dem herrschenden Nordwind.
Donnerstag 16.10.2025 – Am Vormittag ist nur leichter Wind am Ankerplatz, wir gehen an Land und erkunden Sigri. Jetzt im Oktober ist der Ort ruhig, nur wenige Lokale haben geöffnet.
Ein Highlight von Lesbos findet man hier in der Umgebung: der versteinerte Wald.
Ein ganzes Ökosystem wurde vor etwa 20 Millionen Jahren unter Vulkanasche begraben und versteinert. Viele Bäume stehen aufrecht mitsamt ihren Wurzeln in ihrer natürlichen Position.
Freitag 17.10.2025 – Heute wandern wir von Sigri zum nördlichen Ende der Bucht.
Hier ist die Olivenernte in vollem Gange, frisches Öl fließt der Presse direkt in einen Tankwagen.
Zurück in Sigri haben wir etwa 10km in den Beinen und stärken uns in der netten Taverne Plaza.
Montag 20.10.2025 – Heute kreuzen wir den Kurs unserer ersten Ansteuerung und vollenden damit die Umrundung von Lesbos.
Damals sind wir von Thassos kommend direkt in die Bucht von Kallonis gesegelt, weil wir Starkwind im Nacken hatten. Diesmal sind die Bedingungen gut und wir können uns Zeit für die Südküste nehmen.
Unser Anker fällt vor dem Sandstrand und den bunten Häusern von Erassos. Einige Gebäude stehen auf Pfählen über dem Strand, die Gegend hat ein karibisches Flair.
Wir gehen an Land und spazieren durch das Dorf. Es ist sehr ruhig zu dieser Jahreszeit, die meisten Tavernen haben geschlossen. Die Anzahl der Lokale lässt jedoch erahnen, was hier in der Hauptsaison los ist.
