Dienstag 23.09.2025 – Eigentlich wollten wir von Thassos weiter zur Insel Samothraki und erst dann wieder südwärts segeln.
Leider hat sich die Wetterprognose verschlechtert. Ende dieser Woche ist nun starker Meltemi gemeldet, der dann eine Woche vorherrschen soll.
Samothraki liegt genau in der Düse des Meltemi und bietet nur sehr begrenzt Schutz. Hier will man bei den gemeldeten Bedingungen nicht sein.
Wir verwerfen unseren Plan und beschließen nach Lesbos zu segeln. Dort findet man gute und geschützte Ankerplätze und wir nähern gemütlich unserem Winterliegeplatz in Mytilini.
Nach dem netten und feuchtfröhlichen Abend mit Klaus und Yvonne gehen sich nur 4 Stunden Schlaf aus, bereits um halb 5 Uhr klettern wir aus der Koje und gehen Anker auf.
Das Wetterfenster für die 130 Seemeilen lange Überfahrt lässt uns wenig Spielraum nach hinten.
Unsere Route führt uns entlang der Westküste von Thassos südwärts, dann folgt die Überfahrt Richtung Limnos. Auf Höhe Limnos haben wir ungefähr die halbe Strecke und können eine Pause einzulegen, sollten die Bedingungen nicht passen. Läuft jedoch alles wie geplant, lassen wir Limnos backbord und segeln weiter nach Lesbos.
Als wir die Abdeckung von Thassos verlassen, haben wir guten Wind mit 18 Knoten. Wir segeln auf Halbwindkurs und haben eine hohe Windwelle von der Seite, einzelne Wellen sind über 2,5m.
In diesem Seegebiet fließt auch eine ordentliche Strömung, die zusätzlich eine Strömungswelle von vorne bildet. Ein konfuses Wellenbild, das Jera immer wieder aus dem Rhythmus bringt. Wenn wir in einen solchen Wellenberg stechen, verlieren wir gute Geschwindigkeit.
Der schaukelige Ritt endet 15 Meilen vor Limnos. Der Wind schläft ein und die Welle beruhigt sich, wir starten den Motor.
Es bringt keinen Vorteil Limnos anzulaufen, denn auch morgen ist wenig Wind gemeldet. Wir entscheiden uns direkt nach Lesbos durchzufahren. Die Zeit nutzen wir lieber auf Lesbos, um einen guten Ankerplatz für den kommenden Starkwind zu finden.
So motoren wir in den Sonnenuntergang. Die Nachtfahrt ist kurzweilig und spannend, wir queren den stark befahrenen Seeweg zum Bosporus und treffen auf unzählige Fischer mit Schleppnetzen.
Um 4 Uhr umrunden wir das südwestliche Kap von Lesbos und fahren im Dunkeln entlang der nachtschwarzen Felsen der Südküste. Bei Dämmerung erreichen wir die Einfahrt zur Bucht von Kallonis.
Die scheinbar breite Einfahrt in die Bucht täuscht, ausreichend Wassertiefe ist nur in einem mit Bojen und Leuchtfeuer markierten, schmalen Kanal. Nach der interessanten Ansteuerung weitet sich die Bucht und bildet einen großen Golf, etwa 18km lang und 8km breit.
Die Sonne geht auf und schnell weicht die herbstlich, kühle Nachttemperatur. Am nördlichen Ende der Bucht, vor dem Strand von Skala Kallonis, werfen wir den Anker.
Die Überfahrt ist geschafft, wir haben die Insel Lesbos erreicht. Müde verdunkeln wir die Koje und holen ein paar Stunden Schlaf nach.
