Die Insel Korfu

Unsere erste Ankernacht des Jahres 2025 ist ein echter Genuss. Die Bucht von Kommeno präsentiert sich spiegelglatt und bietet ideale Bedingungen für einen ruhigen Schlaf.

Nach einer erholsamen Nacht klettern wir gegen 9 Uhr aus der Koje und genießen unser erstes Frühstück in Griechenland. Endlich sind wir angekommen.

Anschließend nehmen wir unseren Wassermacher in Betrieb. Nach zwei Stunden sind rund 60 Liter frisches Trinkwasser im Tank, und gleichzeitig haben die Solarpaneele die Batterien wieder vollständig geladen. Schon bei durchschnittlichem Wetter erzeugen die Solarmodule deutlich mehr Energie, als die Wasserproduktion benötigt – ein beruhigendes Gefühl für das Leben vor Anker.

Während Mel die Sprayhood repariert und einige von Sonne, Salz und Wind beanspruchte Nähte nacharbeitet, bereite ich das Dinghy für unseren ersten Landgang vor.

Am Nachmittag setzen wir zum Ufer über und betreten zum ersten Mal auf dieser Reise griechischen Boden. Ein Spaziergang durch den kleinen Ort Kontokali und die nahe Gouvia Marina tut unseren Seglerbeinen gut.

Am Abend kehren wir in die Taverna Takis ein und probieren uns durch verschiedene regionale Spezialitäten. Auf den Tisch kommen Saganaki Kefalotyri, ein gebratener Schafskäse, gefüllte Champignons, Tsigareli – ein traditionelles Kohlgericht –, zart gegrilltes Kontosouvli vom Schwein und zum Abschluss Ekmek Tsoureki, ein süßes Dessert aus eingelegtem Hefebrot und einer luftigen Creme. Ein gelungener kulinarischer Auftakt in Griechenland.

Für die kommenden Tage ist starker Südwind angekündigt. Unser Ankerplatz in der Bucht von Kommeno bietet dafür keinen ausreichenden Schutz. Deshalb verlegen wir uns in die nur drei Seemeilen entfernte Potamos Bay.

Zugegeben, die Bucht gewinnt keinen Schönheitswettbewerb. Durch den nahen Fährhafen und die Schnellstraße wirkt sie deutlich lebhafter als unser bisheriger Liegeplatz. Bei Südwind liegt man hier jedoch sicher, und die Altstadt von Korfu ist zu Fuß in etwa einer halben Stunde erreichbar.

Mit dem Dinghy fahren wir in den kleinen Fischerhafen und fragen einen Fischer, ob wir dort anlegen dürfen. Er zeigt uns sofort einen geeigneten Platz, und wir kommen ins Gespräch.

Der Mann hat zehn Jahre in Deutschland gearbeitet und spricht noch immer ausgezeichnet Deutsch. Er erzählt uns, dass die Fischbestände in der Region in den vergangenen Jahrzehnten stark zurückgegangen sind. Die industrielle Fischerei habe dem Meer schwer zugesetzt. Erst seit April 2024 ist die Grundschleppnetzfischerei in griechischen Meeresschutzgebieten verboten – als erstes EU-Land hat Griechenland diesen Schritt gesetzt. Vielleicht ein Anfang, damit sich die Ökosysteme langsam erholen können. Für viele traditionelle Fischer kommt diese Entwicklung jedoch spät, denn ihre Lebensgrundlage wurde bereits stark geschwächt.

Später machen wir uns auf den Weg zur nächsten DHL-Paketstation. Unsere Drohne ist defekt und muss zur Reparatur nach Deutschland geschickt werden. Eine Stunde marschieren wir entlang stark befahrener Straßen bis in einen Vorort von Korfu-Stadt. Schließlich stehen wir vor einer unscheinbaren Garage mit kleinem Büro. Dort geben wir unsere wertvolle Sendung ab. Eine Quittung oder Versandbestätigung erhalten wir nicht. Lediglich ein freundliches „Everything ok“ der Mitarbeiterin.

Mit einem eher mulmigen Gefühl treten wir den Rückweg an. Zwei Tage später folgt die erlösende Nachricht: Das Paket hat Athen bereits verlassen und befindet sich auf dem Weg nach Deutschland.

Heute bekommen wir neue Nachbarn in der Potamos Bay. Das Segelboot Joyfull ankert neben uns. An Bord sind Silvan, Manuela und ihr einjähriger Sohn Elias, die wir bereits aus unserem Winterlager in Ragusa auf Sizilien kennen. Die junge Familie lebt ebenfalls an Bord und ist auf einer ähnlichen Route unterwegs wie wir. Da sie Schweizer Staatsbürger sind, müssen sie regelmäßig den Schengenraum verlassen. Deshalb waren sie für einen Tag im nahegelegenen Albanien und reisen heute erneut in die Europäische Union ein. Die Prozedur dauert rund zwei Stunden und verlangt einiges an Geduld.

Nach dem Einklarieren treffen wir uns in der Stadt und verbringen gemeinsam einen schönen Abend bei gutem Essen und vielen Gesprächen.

Der starke Südwind hat nachgelassen. Heute wollen wir Korfu verlassen und Kurs auf Paxos nehmen. Bereits um 8 Uhr gehen wir Anker auf und verlassen die Potamos Bay. Zunächst steuern wir die Gouvia Marina an, um nochmals Diesel zu bunkern. Danach soll es südwärts gehen.

Auf Höhe der kleinen Insel Lazareto sinkt plötzlich die Motordrehzahl. Wenige Augenblicke später verstummt der Motor vollständig. Ein erster Blick in den Motorraum zeigt keine offensichtliche Ursache. Nach einem Neustart springt der Motor zwar an, läuft jedoch unruhig. Sobald wir mehr Leistung verlangen, geht er erneut aus.

Beim nächsten Versuch lassen wir ihn nur im Standgas laufen und schleichen mit minimaler Geschwindigkeit in Richtung Gouvia.

Ein Motorausfall in der engen Zufahrt zur Marina wäre alles andere als angenehm. Etwa eine halbe Seemeile vor der Einfahrt informieren wir vorsorglich das Hafenbüro, damit im Notfall Hilfe bereitsteht. Glücklicherweise hält der Motor diesmal durch. Kurz darauf machen wir am Emergency Dock der Marina fest.

Uff. So hatten wir uns den Start in den Tag definitiv nicht vorgestellt.

Im Hafenbüro folgt die nächste Überraschung. Über die Osterfeiertage bleiben sowohl das Büro als auch sämtliche Werkstätten geschlossen. Uns bleibt nichts anderes übrig, als das lange Wochenende in der Marina zu verbringen.

Als wir die Rechnung für drei Tage hören, verschlägt es uns kurz die Sprache: unglaubliche 330 Euro. Und das für einen Platz am Emergency Dock – an einer Betonmauer außerhalb der eigentlichen Marina, ohne Wasser- oder Stromanschluss.

Am Nachmittag beginnen wir mit der Fehlersuche. Schnell stoßen wir im Wasserabscheider des Dieselvorfilters auf eine dunkle, ölige Masse. Nach einer gründlichen Reinigung wechseln wir sowohl den Vorfilter als auch den Dieselfilter am Motor. Beim anschließenden Entlüften fließt sauberer, klarer Diesel durch das System. Der Motor startet sofort und läuft auch bei höherer Drehzahl ruhig und gleichmäßig. Vorerst scheint das Problem behoben zu sein.

Ob die Verschmutzung damit tatsächlich beseitigt ist, wird sich jedoch erst in den kommenden Wochen zeigen. Wir rechnen damit, dass uns die Folgen des verunreinigten Diesels noch eine Zeit lang begleiten werden, und decken uns vorsorglich mit zusätzlichen Filtern und geeigneten Dieseladditiven ein.