Nach dem Aufwachen kommt der obligatorische Griff zum Handy, um die aktuellen Wetterdaten zu checken.
Hier im westlichen Mittelmeer verwenden wir gerne die Wetter-App Windy in der Premiumversion, mit der man aus verschiedenen Wettermodellen auswählen kann. Auf den Balearen hat sich das europäische Modell ECMWF bewährt. Dieses hat eine Auflösung von 9 km und bietet eine Vorschau von 10 Tagen.
Das französische Modell AROME mit einer Auflösung von 1,3 km bietet sehr detaillierte Informationen mit einer Vorhersagedauer von 2 Tagen.
Auch die französische Météo Marine und die deutsche Seaman App haben sich als sehr nützlich erwiesen.
Bei der Windfinder-App sind die Messstationen mit den tatsächlichen Wetterdaten interessant.
Bei unsicheren Prognosen sind die regionalen Wetterwarnungen von AEMET Spanien und das Wetterradar von meteo&radar sehr hilfreich.
Bei stabilen und ruhigen Bedingungen genügt meist ein kurzer Blick auf die Prognosen. Zeigen sich Auffälligkeiten – so wie heute – lohnt sich allerdings ein genauerer Blick.
Noch gestern war die Vorschau für die kommenden 10 Tage ideal, es sah nach einem guten Wetterfenster für die Überfahrt nach Sardinien aus.
Doch heute sieht die Prognose völlig anders aus. Aktuell ist ein großräumiges Starkwindfeld mit Böen von über 50 Knoten gemeldet.
Solche extremen Änderungen sind ein deutliches Zeichen für labiles und energiereiches Wetter. Da ist Vorsicht geboten – die Überfahrtspläne sind auf jeden Fall gestrichen.
Es ist Anfang September, mittlerweile gibt es wieder freie Plätze in den Häfen. Wir beschließen, für die nächsten Tage in die Marina Menorca zu gehen. So liegen wir bei jedem Wetter sicher und entspannt. Und zudem können wir Mahón zu Fuß erreichen.
Heute Dienstag 03.09.2024 soll die vorausgesagte Sturmfront auf Menorca treffen.
Um 15 Uhr bilden sich nördlich der Marina ordentliche Quellwolken – die ersten Vorboten. Die Real-Time Lightning Map zeigt schon erste Blitze im Osten und Norden von Menorca. Auf Ibiza und Mallorca geht es da schon seit einer Stunde richtig ab.
Um 17 Uhr zieht das Gewitter über uns hinweg. Blitze schlagen in unmittelbarer Nähe ein, Donner erschüttert die Umgebung, und Starkregen lässt unsere Decksabflüsse überlaufen. Der Wind bleibt mit Böen von 30 Knoten zum Glück eher moderat.
Wir liegen mit Mooringleinen am Steg, unser Heck zeigt in den Wind, und so kommt der Regen bis ins Cockpit und teilweise über den Niedergang sogar ins Schiff.
Nach einer Stunde ist das Gewitter, und auch der Regen hat sich wieder verzogen.
