Am Wochenende ist wieder starker Mistral gemeldet. Wenn wir hier in der Bucht von Pollença bleiben, wäre unser nächstes brauchbares Wetterfenster für die Überfahrt nach Menorca erst in einer Woche. Wir sind nun seit 12 Tagen in dieser geschützten, aber lebendigen Bucht. Täglich fahren zig Motorboote rücksichtslos schnell und knapp an den ankernden Schiffen vorbei. An den Wochenenden ist es besonders schlimm. Es ist Zeit, weiterzuziehen.
Wir kreuzen gegen den thermischen Wind aus der Bucht und lassen Pollença hinter uns. Zwischen Mallorca und Menorca haben wir Wind aus SO, der im Laufe des Nachmittags nach S dreht. Wir segeln hart am Wind und können unseren Kurs immer weiter nach O legen. Am Ende geht unser Plan auf, und wir erreichen mit einem schönen Bogen die Nordküste von Menorca. Praktisch die gesamte Strecke unter Segel, immer zwischen 5 und 6 Knoten. Der scheinbare Wind frischt teilweise auf 20 Knoten auf, Böen erreichen bis zu 24 Knoten.
Als der Wind später konstant bei 20 Knoten bleibt, können wir wieder etwas mehr Segel setzen und machen mit vollem Großsegel und voller Genua 6,5 Knoten Fahrt. So darf das gerne weitergehen!
Bei Sonnenuntergang erreichen wir die Bucht von Morell und Ferrada. Die kleinere und geschütztere Bucht von Morell ist mit 4 Schiffen bereits voll, also werfen wir unseren Anker in der großen, offenen Bucht von Ferrada. Hier liegen nur zwei weitere Schiffe in einer spektakulären Umgebung. Umrahmt von einer 100 Meter hohen Steilküste mit zerklüfteten Felsen liegen wir mit viel Abstand zu den beiden Schiffen auf 18 Meter Wassertiefe. Als wir mit dem Ankermanöver fertig sind, ist es bereits dunkel.
Einen Sprung ins kühle Nass lassen wir uns aber nicht entgehen, das Anlegerbier danach auch nicht. 🙂
Eine Stunde später schallt ein Schrei durch die Bucht, den wir von den Azoren kennen. Erst einer, dann mehrere, schon bald ein Chor von hunderten Sepiasturmtauchern. Wir sitzen am Vorschiff und genießen das Konzert unter dem herrlichen Sternenhimmel. Ein Ankerplatz, wie wir ihn lieben.
Nach einer entspannten Nacht sehen wir die Bucht bei Tageslicht. Unser Anker liegt im kristallklaren Wasser auf 18 Meter Tiefe im weißen Sand. Vereinzelt fliegen noch Sepiasturmtaucher in den Felsen, die meisten sind bereits weit draußen auf dem Meer auf der Jagd nach Fischen.
Nach einem Sprung ins herrliche Wasser gibt’s ein gemütliches Frühstück. Der erste Eindruck von Menorca ist fantastisch.
Leider können wir nicht in der schönen Bucht bleiben. Für die nächsten Tage ist Nordwind angekündigt und zwingt uns in den geschützten Süden der Insel. Aber diese Bucht ist vorgemerkt. Wenn die Bedingungen passen, wollen wir wiederkommen.
Wir gehen Anker auf und umrunden die Insel im Westen und steuern anschließend an der Südseite knapp unter Land entlang. Ohne festes Ziel suchen wir eine Bucht, die beim kommenden Starkwind Schutz bietet und uns gefällt. Mit der Cala de Saura finden wir genau das, was wir suchen..
Im türkisen Wasser fällt unser Anker in den weißen Sand auf 8 Meter Tiefe. Es liegen schon einige Schiffe hier, aber die gemeldeten Bedingungen fordern einen Kompromiss.
Als wir mit der Taucherbrille unseren Anker kontrollieren, sehen wir einen Stachelrochen am Grund entlanggleiten. Stachelrochen sind kleine bis mittelgroße Rochen und erreichen eine Körperscheibenbreite von 38 bis 84 cm. Die Rückenseite ist einfarbig oder gemustert, die Bauchseite ist weiß. Die Bucht scheint gut zu sein. 🙂
