Die Bucht von Sóller

Nach einem weiteren Tag in der lebendigen Bucht von Santa Ponça möchten wir wegvon hier.

Die Prognose meldet für die nächsten Tage wenig Wind aus Osten. Schlecht zum Segeln, jedoch gut für die Erkundung der Nordküste von Mallorca.

Um 9 Uhr starten wir den Motor, gehen Anker auf und lassen Santa Ponça hinter uns.

Auf dem Kurs nach Norden geht es vorbei an Andratx, der kleinen Felsinsel Sa Dragonera und um das Kap von Sa Galera Grossa. Dann ändern wir den Kurs Richtung Osten. Es geht entlang der beeindruckenden Steilküste, vorbei an üppig grünen Berghängen, einzelnen Häusern und kleinen Siedlungen. Ein völlig anderes Bild als im Süden der Insel.

An der Nordküste gibt es einige Ankerbuchten für einen kurzen Badestopp. Die wenigsten sind jedoch geeignet für eine sichere Ankernacht. Winddreher und felsiger Ankergrund können eine anfangs idyllische Nacht schnell beenden.

Eine gute Möglichkeit bietet die Bucht von Sóller. Es gibt einen kleinen Hafen und guten Ankergrund. Die Einfahrt der Bucht liegt spektakulär inmitten der Felsküste. Nach der relativ engen Einfahrt öffnet sich eine weite, gut geschützte Bucht.

Unsere Bedenken, dass auch Sóller möglicherweise voll ist und wir eine Alternative suchen müssen, sind schnell verflogen. Unsere Ankunftszeit um etwa 14 Uhr scheint ideal zu sein. Die Schiffe, die weiter wollen, sind bereits weg, die meisten Neuankömmlinge sind noch unterwegs.

Unser Anker fällt bei 10 Meter Wassertiefe und hält bombenfest. Der erste Eindruck von Sóller ist sehr gut.

Bis zum Abend ist die Bucht dann gut gefüllt, jedoch kein Vergleich zu Santa Ponça. Keine Motorboote und Jetskis rasen knapp am Schiff vorbei, keine Partyboote, keine Bars mit kampffeiernden Menschen. Wir sind happy!

Wir fahren mit dem Dinghy an Land und spazieren entlang der Hafenpromenade von Port de Sóller. Mit der historischen Straßenbahn von Port de Sóller erreichen wir das kleine Städtchen Sóller. Der Ort liegt etwa 5 Kilometer vom Hafen entfernt im Hinterland, im Gebiet der Serra de Tramuntana, dem Gebirgsrücken von Mallorca.

Umrahmt von Orangen-, Zitronen- und Olivenplantagen hat das Städtchen mit seinen engen Gassen einen sehr speziellen Charme. Eine alte Eisenbahn mit Holzwaggons, der sogenannte Orangenexpress, verbindet Sóller mit der Hauptstadt Palma im Süden der Insel und bringt viele Besucher hierher.

Wir spazieren durch den Ort, und nehmen am frühen Nachmittag den Bus zurück zum Hafen. Die Nachmittagshitze verbringen wir lieber am Schiff und im Wasser.

Am Abend starten wir das Dinghy und fahren aus der Bucht von Sóller aufs offene Meer, um den Sonnenuntergang zu beobachten. Bei Dämmerung sind wir zurück und springen noch einmal ins Wasser. Die letzte Abkühlung hält bis zum Morgen. 🙂

Die Wetterprognosen melden ab heute Nachmittag stärkeren Wind aus NO. Es sollen Böen bis 30 Knoten kommen. Der Wind wird bis Samstag bleiben. Die Bucht von Sóller ist Richtung NW offen. Bei dem gemeldeten NO-Wind müsste hier noch ausreichend Schutz sein.

Nach unserer Sturmerfahrung von Portinatx sind wir diesmal vorsichtiger. Wir bleiben an Bord und sichern das Dinghy und den Außenborder an Bord. Hier in Sóller haben wir mehr Platz zum Ankern.

Gegen Mittag beginnen die Böen, um 16 Uhr erreicht der Wind über 20 Knoten. Außerhalb der Bucht sind Schaumkronen zu erkennen. Gegen Abend dreht der Wind weiter nach NO und nimmt in der Bucht ab. Wind und Wellen ziehen vor der Bucht vorbei, wir liegen gut geschützt. Nur der Schwell wird etwas stärker, doch das Schaukeln nehmen wir gerne in Kauf.

Der Schwell begleitet uns durch die Nacht. Um 5 Uhr mache ich einen Kontrollgang an Deck. Alle Schiffe werden durch die Strömung des Schwells ausgerichtet, es herrscht absolute Windstille. Zufrieden gehe ich zurück in die Koje.