Melilla ist eine spanische Enklave in Marokko und somit EU-Gebiet. Obwohl die Stadt auf dem afrikanischen Kontinent liegt, kann man den Hafen ohne Einreiseformalitäten anlaufen.
Die Überfahrt ist etwa 90 Seemeilen lang und wird voraussichtlich 18 Stunden dauern. Um Melilla nicht im Dunkeln anlaufen zu müssen, starten wir erst um die Mittagszeit.
Die Wetterprognosen melden 18 Knoten Wind mit Böen bis 25 Knoten, später soll der Wind auf 10 bis 15 Knotenzurückgehen. Gute Bedingungen für unseren ersten Segeltörn nach der „Winterpause“.
Nach einem späten Frühstück bereiten wir das Schiff vor und verabschieden uns von allen Bekannten im Hafen. Unser Stegnachbar Steve gibt uns noch einen Tipp mit: „Wenn ihr bei Ostwind von Almerimar Richtung Süden segelt und aus der Abdeckung des Cabo de Gata kommt, kann der Wind ordentlich zunehmen.“
Um 14 Uhr legen wir ab und verlassen die Marina von Almerimar. Endlich geht unser Abenteuer weiter!
Wir setzen die Segel sehr konservativ: das Groß im 3. Reff und die kleine Fock. Eigentlich zu wenig bei den herrschenden 18 Knoten Wind, aber lieber vorsichtig beginnen und bei Bedarf die Segelfläche vergrößern, als umgekehrt.
Über die Wintermonate haben wir unser Schiff aufgerüstet. Ein stabiler Geräteträger mit Davits und eine Photovoltaikanlage zieren nun das Heck, zudem haben wir jetzt ein Bimini als Sonnenschutz. Das erste Mal segeln wir mit der neuen Ausrüstung.
Wir sind nun 2 Stunden unterwegs und haben Wind um die 20 Knoten. Die durchschnittliche Wellenhöhe liegt bei 1,5 m, Ausreißer haben über 2 Meter. Die Wellen treffen uns auf Halbwindkurs von der Seite und sorgen für ordentlich Bewegung an Bord.
Mel sitzt am Steuer, als eine brechende Welle das Schiff seitlich trifft und sich ein kräftiger Wasserschwall über sie ergießt. Die Bedingungen sind härter als gedacht.
Um 18 Uhr geht der Wind auf 12 bis 15 Knoten zurück und auch die Wellen werden deutlich niedriger. Wir lösen das Reff aus und setzen die Genua, unser großes Vorsegel.
Späterlässt der Wind noch weiter nach und wir müssen den Motor starten.
Zweimal bekommen wir Besuch von Delfinen. Sie spielen in der Bugwelle, springen und tauchen unter dem Schiff hindurch.
Auf etwa halber Strecke liegt die kleine Isla de Alborán. Die Insel gehört zu Spanien und steht unter Naturschutz. Hier ist eine Garnison der spanischen Marine stationiert, gibt es einen Hubschrauberlandeplatz und einen unbemannten Leuchtturm.
Ab 2 Uhr nachts können wir den Motor abstellen und bei 10 bis 12 Knoten Wind gemütlich Richtung Süden segeln.
Bei Morgendämmerung segeln wir bereits entlang der marokkanischen Küste. Um 8 Uhr erreichen wir den Hafen von Melilla und legen am Empfangssteg an. Nach der Anmeldung bekommen wir einen Liegeplatz am Steg zugewiesen. Wir freuen uns über die gelungene Überfahrt.
Nachdem wir uns sehr kurzfristig für Melilla als Segelziel entschieden haben, holen wir erst nach der Ankunft genauere Informationen ein.
Spanien beansprucht seit der Eroberung im Jahr 1497 die Hafenstadt für sich. Heute bildet die Stadt ein EU-Hoheitsgebiet auf dem afrikanischen Kontinent.
Unser Traum von „Tausendundeiner Nacht“ mit marokkanischem Flair wird nicht wahr. Wir befinden uns hier in einem streng bewachten Gebiet, hinter meterhohen Zäunen und Mauern. Aufgrund der Lage ist Melilla ein Wunschziel vieler Migranten.
Heute geht es über die Grenze nach Marokko, wir möchten die Stadt Nador besuchen. Es ist Sonntag und am Grenzübergang ist wenig los. Nach den Kontrollen auf spanischer und marokkanischer Seite kommen wir aus dem Zollbereich von Beni Ensar und finden uns in einer anderen Welt wieder.
Straßenhändler preisen ihre Waren an, Taxifahrer mit uralten Peugeot 106 und Mercedes bieten ihre Dienste an. Wir sind die einzigen Touristen und natürlich sofort potenzielle Kunden. Doch wir ignorieren sämtliche Angebote und Zurufe, gehen zur Bushaltestelle und nehmen den Bus nach Nador. 5 Dirham, umgerechnet 50 Cent für etwa 12 Kilometer, sind sehr fair.
Nador ist eine Stadt mit 160.000 Einwohnern, deren Bevölkerung überwiegend aus Berbern aus dem Rifgebirge stammt, dem nördlichen Teil des Atlasgebirges. Früher bestimmten Fischerei und Landwirtschaft die Wirtschaft, in den letzten Jahrzehnten sind die Stahl- und Bauindustrie hinzugekommen.
In den Sommermonaten verbringen vor allem Marokkaner ihren Urlaub hier. Tourismus wie in Tanger, Marrakesch oder Fès gibt es hier nicht. Entsprechend ursprünglich und unverfälscht spielt sich hier das Leben ab. Uns gefällt es.
Wir spazieren entlang des Strandes und lassen uns durch die Gassen des Ortes treiben. Am Abend geht es zurück nach Beni Ensar, wo wir in einer Kneipe am Straßenrand essen. Wir lassen uns ein lecker gewürztes Grillhähnchen mit allerlei Beilagen schmecken.
Danach geht es zurück nach Melilla. Es ist ein schöner und erlebnisreicher Ausflug in ein authentisches Gebiet von Marokko.
Eine kleine Zeitreise in eine Kultur, die sich in vielen Dingen deutlich von der europäischen unterscheidet. Wir sind begeistert von der Freundlichkeit und Offenheit der Menschen.
