Gibraltar

Heute ist ein großer Tag für uns. Bei Tagesanbruch starten wir zu einem besonderen Abschnitt unserer Reise. Heute lassen wir den Atlantik im Kielwasser und segeln durch das Tor zum Mittelmeer: die Straße von Gibraltar.

Der Abschied von der wunderschönen Atlantikküste stimmt uns wehmütig. Die Weite des Ozeans hat etwas Besonderes. Manchmal rau und anspruchsvoll, manchmal ruhig und beinahe friedlich. Aber immer wunderschön.

Aber die Vorfreude auf die Zeit im Mittelmeer macht den Abschied leichter.

Am Kap von Tarifa befinden wir uns an der schmalsten Stelle der Meerenge. Hier liegen nur 14 km zwischen Europa und dem afrikanischen Kontinent.

Unabhängig von den Gezeiten fließt ständig Wasser vom Atlantik in Richtung Osten. Der Grund ist die stärkere Verdunstung im Mittelmeer. Wir haben rund 2 Knoten Strömung mit uns.

Plötzlich nähert sich ein Motorboot und gibt uns Zeichen, die Geschwindigkeit zu reduzieren. Es ist die Guardia Civil. Die Beamten machen längsseits bei uns fest und verlangen freundlich unsere Pässe und die Schiffspapiere.

Nach wenigen Minuten ist die Kontrolle beendet und sie fragen nach unserer bisherigen Reiseroute. Alle sind sehr interessiert und beeindruckt. Der Chef der Truppe träumt schon seit Jahren von einer längeren Segelreise.

Die Stimmung an Bord ist großartig, als wir uns Gibraltar nähern. Es ist ein unbeschreibliches Gefühl, die lange Reise mit ihren vielen Fragezeichen im Kielwasser auf eigenem Kiel geschafft zu haben. Die geschichtsträchtige Straße von Gibraltar im Logbuch stehen zu haben, macht uns stolz.

Die Formalitäten für die Einreise in das britische Überseegebiet vermeiden wir und steuern lieber die spanische Marina La Línea an. Diese liegt direkt an der Grenze. Bis ins Zentrum von Gibraltar sind es keine 2 Kilometer.

Der Weg dorthin ist einmalig: Nach der Grenzkontrolle überquert man zu Fuß das Rollfeld des Flughafens.

Wir wandern von der Marina auf den Felsen von Gibraltar und fragen uns, ob auch wir die bekannten Berberaffen zu sehen bekommen.

Unser Aufstiegsweg führt wunderbar oberhalb von Gibraltar entlang. Auf etwa der halben Höhe treffen wir dann auf ein großes Rudel Affen und wissen nicht so recht, wie wir uns verhalten sollen. Die größeren, etwa hüfthohen Tiere spielen und raufen, hin und wieder fauchen sie sich an und fletschen die Zähne. Dann sind wir uns nicht mehr sicher, ob wir uns wirklich an ihnen vorbeiwagen können.

Doch letztlich interessieren sie sich kaum für uns. Nur zwei Jungtiere haben unsere Rucksäcke im Auge. Sie springen auf unsere Schultern und versuchen, den Reißverschluss zu öffnen. Nur ungern lassen sie sich vertreiben.

Wir erreichen den höchsten Punkt des Felsens auf 426 m über dem Meer. Das Wetter ist perfekt und die Aussicht spektakulär. Die Bucht von Algeciras, die Küste von Marokko auf dem afrikanischen Kontinent und das Mittelmeer im Osten zeigen sich von ihrer schönsten Seite.

Für den Abstieg wählen wir einen schmalen, steilen Steig auf der Ostseite des Felsens. Der Weg führt hinunter auf Meeresniveau und anschließend im Süden um den Felsen zurück nach Gibraltar.