Sagres und Lagos

Die Nacht verläuft ruhig, der Atlantikschwell sorgt jedoch für ordentlich Bewegung an Bord. Der Tag begrüßt uns wieder mit dichtem Nebel. Erst um 9:30 Uhr gehen wir Anker auf und nehmen die Umrundung des Cabo de São Vicente in Angriff.

Nach einer Stunde unter Motor brist der Wind auf. Ideale 14 bis 16 Knoten aus Westen ermöglichen wunderbares Segeln auf Halbwindkurs entlang der herrlichen Felsküste.

Das Cabo de São Vicente ist der südwestlichste Punkt des europäischen Festlands. Die ins Meer ragende Landzunge sorgt für ordentlich Düsenwirkung. Durch diesen Kapeffekt nimmt der Wind deutlich zu.

Mittlerweile haben wir 20 Knoten Wind, und wir reffen das Segel. Die Umrundung des Kaps ist spektakulär. Hier treffen die verschiedenen Meeresströmungen aufeinander. Bis zu zwei Meter hohe Wellen lassen Jera tanzen.

Der Wind erreicht ordentliche 25 Knoten. Mit gerefftem Segel ist jedoch alles gut zu handeln. Mit den Strömungen kommt auch viel Nahrung für die Fische und Seevögel. Deshalb steigt hier auch das Risiko, Orcas zu treffen. Wir segeln sehr knapp entlang der beeindruckenden, bis zu 30 Meter hohen Felsen der Steilküste.

Nach der Umrundung des Kaps werden die Bedingungen ruhiger. Im Lee der Küste sind so gut wie keine Wellen mehr, und der Wind wird schwächer. Nach etwa einer Stunde erreichen wir die Bucht von Baleeira nahe Sagres und werfen unseren Anker.

Der thermische Wind bläst mit 20 Knoten, am Nachmittag haben wir sogar Böen mit 36 Knoten. Die Windsurfer haben ihren Spaß, für uns Segler ist er jedoch weniger angenehm.

Gut eingefahren und mit 50 Metern Kette bei 6 Metern Tiefe hält der Anker bombenfest. Trotzdem möchten wir das Schiff bei diesen Bedingungen nicht verlassen. So bleibt uns nichts anderes übrig, als die Strandbar aus der Ferne zu beobachten. Morgen werden wir den Ankerplatz Richtung Lagos verlassen.

Erst in den Morgenstunden schläft der Wind ein, bei Sonnenaufgang ist es fast windstill. Um 7 Uhr gehen wir Anker auf und verlassen die Bucht, bevor die Thermik wieder einsetzt.

Wir setzen die Segel und nutzen den schwachen Morgenwind, um noch ein paar ruhige Meilen unter Segeln zurückzulegen. Die morgendliche Fahrt ist ein Hochgenuss: Vorbei an den schönen Felsformationen und Sandstränden der Algarve gleiten wir dahin.

Nach dem Einchecken in der Marina von Lagos sind wir schon bald am Steg fest. Hier bleiben wir einige Tage und wollen die Umgebung ein wenig erkunden. Nach den letzten Segeltagen darf die Jera nun auch einmal ein paar Tage verschnaufen.