Bayona

Wer mit einem Segelschiff an der Atlantikküste von Spanien und Portugal unterwegs ist, beschäftigt sich zwangsläufig mit dem Thema Orca. Entlang der gesamten iberischen Atlantikküste kommt es seit Jahren zu Interaktionen und Angriffen. Speziell Segelschiffe mit ihren relativ fragilen Ruderanlagen tragen dabei häufig schwere Schäden davon.

Die Schwertwale in dieser Region folgen der Route ihrer Lieblingsbeute, den Thunfischen. Diese verlassen im Sommer ihre Laichplätze im Mittelmeer und ziehen von dort in den Atlantik und weiter Richtung Norden.

Mittlerweile sind einige Orcas mit Peilsendern versehen, wodurch deren Position und Zugrichtung bekannt ist. Diese Informationen sind hilfreich für die Planung unserer Strecken und helfen, das Risiko einer Begegnung zu minimieren.

Im Zweifelsfall bleiben wir ein paar Tage länger an einem Ort. Zum Glück segeln wir ohne Zeitdruck.

Zusätzlich wird empfohlen, küstennah in einer Wassertiefe von unter 20 m zu bleiben. In diesem Tiefenbereich sind bisher keine Angriffe bekannt.

Als wir in der Marina von Muros liegen, meldet ein Schiff genau vor der Bucht von Muros erst eine Sichtung und dann eine Attacke auf ein Segelschiff. Das beschädigte Schiff kann eigenständig den Hafen anlaufen und liegt nun an unserem Steg.

Meeresforscher rechnen mit einer durchschnittlichen Zuggeschwindigkeit von 2 Knoten, also einem Tagesschnitt von 48 Seemeilen oder fast 90 Kilometern. Die Orcagruppe sollte somit bereits auf Höhe des Cabo Finisterre und somit nördlich von uns sein.

Sicherheitshalber möchten wir mit der Weiterfahrt noch einen Tag warten, müssen aber den sicheren Hafen verlassen. Es werden jedoch 50 Schiffe einer Regatta erwartet – dann ist hier kein Platz mehr für uns.

Bis 9 Uhr kommen keine neuen Informationen über Orca-Interaktionen, wir beschließen zu starten. Wir verlassen die Ria de Muros und nehmen anschließend küstennah Kurs nach Süden.

Wir beobachten die Wasseroberfläche um uns ganz genau und hoffen, keine Flosse zu sehen. Spannender kann eine Ausfahrt kaum sein.

Bei leichtem Wind segeln wir entlang der Küste, vorbei an den schönen Rias Galiciens, zwischen den Illas Cíes und dem Festland südwärts. Die Ostküste der Inseln ist wunderschön: weiße Sandstrände und davor liegen einige Schiffe vor Anker.

Die Inseln von Cíes stehen unter Naturschutz. Um hier ankern zu dürfen, benötigt man eine spezielle Bewilligung. Daher geht es weiter Richtung Bayona.

Bei der Querung der Einfahrt in die Ria de Vigo umfahren wir die Untiefen und Felsen der Islotes Las Estelas. Am späten Nachmittag erreichen wir unser Ziel, die Marina Monte Real Club de Yates. Der Liegeplatz kostet 60 Euro pro Tag für unser Schiff.