Scheveningen

Die nächste Etappe unserer Reise führt uns die niederländische Küste südwärts nach Scheveningen. Gezeitenbedingt starten wir erst um 15 Uhr zum rund 30 Seemeilen langen Schlag.

Die Bedingungen sind bestens: Es ist sonnig und wir haben 10 bis 15 Knoten Wind aus nördlichen Richtungen bei 1 bis 1,5 Meter Welle. Wir können die gesamte Strecke segeln, der Motor läuft nur beim Ab- und Anlegen.

Es dämmert bereits, als wir den Hafen von Scheveningen ansteuern. Um 21 Uhr erreichen wir die Hafeneinfahrt und es ist bereits dunkel.

Ab den vorgelagerten Wellenbrechern ist man gut geschützt vor der quer laufenden Strömung. Die Leuchtfeuer weisen uns den Weg in den Vorhafen.

Wir melden uns per Funk beim Hafenmeister an und bekommen die Freigabe für die Einfahrt in den engen Kanal zum hinteren Hafenbecken. Hier befinden sich im südlichen Bereich die Anlegemöglichkeiten für Gastlieger.

Alle Liegeplätze sind bereits belegt, daher müssen wir in zweiter Reihe an eines der Schiffe anlegen. Man nennt das „im Päckchen liegen“.

Nicht jeder ist glücklich, einen Nachbarn zu bekommen, der dann über sein Deck läuft, um an den Steg zu kommen. Daher nutzen wir diese Anlegevariante nur als letzte Option – was heute Abend leider der Fall ist.

Wir suchen ein geeignetes Schiff, bereiten Leinen und Fender vor, fragen um Erlaubnis und stimmen uns zur geplanten Abfahrtszeit ab. Die Nachbarn möchten um 06:00 Uhr starten.

Nach einem Anlegerbier geht’s in die Koje.

Der Wecker reißt uns aus unseren süßen Träumen. Es ist Zeit, das Schiff zu verholen. Wir lösen unsere Leinen, lassen unseren Nachbarn ablegen und übernehmen den freien Liegeplatz direkt am Steg. Motor aus, wieder rein in die Koje und noch eine Mütze Schlaf nachholen.

Scheveningen ist ein industriell geprägter Hafen. Im vorderen Hafenbecken liegen riesige Fischerschiffe. Als wir vorbeikommen, wird gerade ein Schiff entladen.

Mit einem speziellen Aufzugsystem werden unzählige Paletten voll Kartons mit fertig verarbeitetem, tiefgefrorenem Fisch aus dem Rumpf gefahren. An der Kaimauer übernehmen Stapler die Paletten und verteilen den Fisch direkt auf Lkw und in eine Lagerhalle.

Enorme Mengen an Fisch werden aus diesen schwimmenden Fischfabriken entladen. Man kann nur erahnen, was die weltweite industrielle Fischindustrie in den Weltmeeren anrichtet. Eine solche Massenentnahme von Meereslebewesen kann sich unmöglich in diesem Tempo regenerieren 🙁

Wir möchten hier in keinster Weise die Fischerei als Ganzes kritisieren. Die kleinen Fischerboote, die mit Reusen und überschaubaren Netzgrößen einen Teil der Fischschwärme entnehmen und die Küstenregionen mit ihrem Fang versorgen, sehen wir ganz sicher nicht als Problem. Das rücksichtslose, industrielle Leerfischen der Ozeane sehr wohl.

Von Scheveningen erreicht man Den Haag mit dem Bus in einer halben Stunde. Den Haag ist eine schöne Stadt mit einer Mischung aus historischen und modernen Bauwerken.

Der Binnenhof aus dem 13. Jahrhundert, Sitz der niederländischen Regierung. Der Paleis Noordeinde aus dem 16. Jahrhundert, Regierungssitz der Königsfamilie. Der Friedenspalast mit dem Internationalen Gerichtshof der Vereinten Nationen und der Internationale Strafgerichtshof in modernen, großflächig verglasten Gebäuden.

Luxuskaufhäuser neben hippen Restaurants und Bars sowie zahlreiche Museen prägen das Stadtbild. Man spürt die Internationalität und den Reichtum der Stadt.

Um die unzähligen Sehenswürdigkeiten von Den Haag zu erkunden, braucht man Zeit. Uns reicht jedoch eine kleine und gemütliche Auswahl für einen Tag im Großstadtdschungel. Übervoll mit neuen Eindrücken geht es zurück in unser kleines, gemütliches, schaukelndes Zuhause.

Auch in Scheveningen selbst gibt es einiges zu sehen. Wir unternehmen ausgedehnte Spaziergänge durchs Hafenviertel und entlang der kilometerlangen Strandpromenade. Eine Strandbar reiht sich an die nächste, und wir gönnen uns eine Fahrt mit dem SkyView, dem Riesenrad am Pier.