Um 09:30 Uhr, etwa zwei Stunden nach Hochwasser, verlassen wir die SVC Marina und queren das Fahrwasser der Elbe zu den ostseitigen Begrenzungstonnen.
Mittags erreichen wir die rote Tonne Nummer 4 und ändern den Kurs auf 305 Grad, Richtung Helgoland.
Die Nordsee zeigt sich von ihrer besten Seite. Es ist sonnig, mit wenig Wind und wenig Welle. Nur zu Beginn können wir die Segel setzen, den Großteil der Strecke fahren wir unter Motor. Ideale Bedingungen für unseren ersten Nordseetörn – zumindest wettertechnisch.
Wir sitzen in der Frühlingssonne im Cockpit und genießen Gnocchi mit Bärlauchpesto.
Kurz vor 15 Uhr erreichen wir Helgoland und steuern direkt die Tankstelle an. Wir füllen 130 Liter steuerfreien Diesel. Der Weg zur Kasse ist abenteuerlich: Bei Ebbe steigt man fast 10 Meter über eine Leiter vom Schwimmsteg hinauf auf die Kaimauer.
Danach laufen wir den Südhafen an und machen längsseits am Steg fest. Es ist wenig los, nur eine Handvoll Schiffe liegen vertäut im geschützten Becken.
Helgoland hat einen Schutzhafen, keine klassische Marina. Sportschiffe werden akzeptiert, es gibt jedoch nur eine minimale Infrastruktur. Die Sanitärräume sind im Keller eines Hafengebäudes, Wasser und Strom für das Schiff stehen nur eingeschränkt zur Verfügung.
Am nächsten Tag machen wir einen ausgedehnten Spaziergang auf der einen Quadratkilometer großen Insel. Unser Hafen befindet sich im sogenannten Unterland, das sich im Süden und Osten auf etwa Meereshöhe befindet. Hier lebt die Hälfte der etwa 1.200 Einwohner Helgolands.
Hinter den Hafengebäuden entdecken wir einen kleinen Strand, an dem sich eine Gruppe von Kegelrobben aufhält.
Es geht vorbei an den bunten Fischerhütten, die mittlerweile als Imbiss- und Verkaufsstände für Souvenirs dienen. Im Ortszentrum reiht sich ein Zollfreigeschäft an das nächste. Viele Besucher kommen mit der Fähre für einen Tag und nutzen die einigermaßen günstigen Einkaufsmöglichkeiten.
Am östlichen Ende des Ortes erreichen wir einen Strand und wandern weiter Richtung Norden. Hier beginnt das Naturschutzgebiet.
Ein schmaler Steig führt zwischen den roten Felsen etwa 50 Höhenmeter hinauf aufs Oberland.
Auf der gesamten Insel erinnern Bunkeranlagen und Bombenkrater an die schreckliche Vergangenheit des Krieges. Mittlerweile bedeckt ein üppiges Grün die Narben dieser Zeit.
Am nordwestlichsten Punkt der Insel trotzt der Brandungspfeiler Lange Anna dem Nordseewetter. Entlang der wunderschönen Steilküste im Norden und Westen tummeln sich tausende Seevögel. Trottellummen, Tordalken und Basstölpel drängen sich in der Felswand, ihre Brutplätze liegen dicht an dicht.
Ein beeindruckendes Naturschauspiel – und für uns ein völlig neuer Anblick.
Heute steht ein Besuch der Nachbarinsel Düne auf dem Programm. Diese befindet sich knapp einen Kilometer östlich der Hauptinsel.
Ursprünglich waren die Inseln durch einen Steinwall verbunden. Die Neujahrsflut 1721 überspülte die Landverbindung und riss diese weg.
Mit einem traditionellen Börteboot, einem zehn Meter langen und offenen Eichenholzboot, setzen wir über und wandern dann zum Nordstrand. Hier liegen Kegelrobben und wärmen sich in der Frühlingssonne.
Mit respektvollem Abstand spazieren wir vorbei an hunderten von Robben. Ein unglaublich beeindruckendes Erlebnis.
